Anscheinende Absichtlichkeit in Rousseau’s Jugendschicksal.
seau nicht, wenn er seine Aufgabe erfüllen sollte, der Prophet der Natur gegenüber der verknöcherten Civilisation, der Anwalt des Herzens gegen den trockenen Verstand der Gebildeten zu sein, frühzeitig herausgerissen werden aus der bürgerlichen Regelmässigkeit? Musste er nicht, um allem Menschlichen vertraut und Herzenskündiger zu werden, bei Zeiten durch das wilde Leben geschleppt werden? Er selbst musste durch Schmutz und Unrecht hindurch, an der eigenen Person musste er die Leiden und die Erbärmlichkeit des Menschen kennen lernen, um aller Dinge kundig und ein wahrer Philosoph, nicht ein Philosophie-Professor zu werden. Er selbst musste die Natur und die Freiheit erleben, d. h. er musste„Vagabund“ werden, um durch die leidenschaftliche Predigt von der Freiheit eine neue Zeit heraufzuführen.
Wurde er durch sein tolles Leben unglücklich? Auch hier frage ich, was heisst glücklich und unglücklich? Gewiss hätte Rousseau in ruhigen und geordneten Verhältnissen weniger Unglück erlebt; vielleicht wäre er dann ein nervöser und etwas wunderlicher Mann geworden, aber er wäre möglicherweise von der Paranoia verschont geblieben und hätte die Qualen des Verfolgungswahnes nicht erlebt. Aber dann hätte er auch weniger Glück erfahren, die leidenschaftlichen Entzückungen im Leben und im Arbeiten, die Süssigkeit des Ruhmes, die tiefe Genugthuung durch das Bewusstsein seiner Leistungen, durch das Gefühl, ein Held und ein Wohlthäter der Menschen zu sein, wären ihm fremd geblieben. Dort stille Zufriedenheit hinter dem
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