Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911) J. J. Rousseau
Entstehung
Seite
56
Einzelbild herunterladen

56

Ofen, hier gewaltiger Schmerz und gewaltige Freude. Hätte Rousseau gar nichts genossen als die Freude beim Schaffen seiner Werke, so hätte er doch mehr Glück erlebt, als weitaus die meisten Menschen. Was in Rousseaus Jugend krankhaft ist, das habe ich hervorgehoben, im Uebrigen aber finde ich, dass Rousseau sich verhalten hat, wie er es unter den Um­ständen musste. Betrachtet man Rousseaus Kindheit und Jugend ohne alle Rücksicht auf Fachkenntnisse u. S. W., SO muss man sagen, der junge Rousseau ver-| hielt sich sehr natürlich, war gut, wenn er gut be­handelt wurde, schlecht, wenn er schlecht behandelt wurde, Die Erziehung im väterlichen Hause scheint in der Hauptsache negativ gewesen zu sein, so wie sie Rousseau später im Emile verlangte, abgesehen frei­lich von der unsinnigen Leserei. Rousseau hebt hervor, dass Sanftmuth und gute Sitte im Hause herrschten, dass er zu allem mit Liebe und Heiterkeit geführt wurde, dass nichts Rohes oder Schlechtes eindrang. Etwas positiver, aber gut und verständig war die Er­ziehung des Pfarrers Lambercier, und auch hier ging alles gut. Dann aber beginnen die Misshandlungen Rousseaus, Der arme Knabe wurde schändlich be­handelt. Mit guter Erziehung, feinen Sitten, lebhaftem, früh erwecktem Geiste wurde er zum Geistlosesten und Gröbsten gezwungen. Wie konnte Jean-Jaques in einer dumpfen Advokaten-Schreibstube, bei einem groben Kerl von Handwerker, der den zarten Knaben jämmerlich prügelte und bei dem er auf den Umgang mit proletarischen Lehrjungen angewiesen war, ge­