Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911) J. J. Rousseau
Entstehung
Seite
57
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Rechtfertigung des jungen Rousseau.

deihen? Dass er sich in der groben Umgebung ver­gröberte, den harten Meister beschwindelte, sich auf das Naschen legte, im Romanlesen die Gegenwart zu vergessen suchte, das ist alles durchaus begreiflich und begründet Vorwürfe gegen Rousseaus Verwandte, aber nicht gegen den Knaben. Dass Rousseau schliess­lich fortlief, finde ich sehr vernünftig, ich hätte es auch nicht anders gemacht. Auch wegen seines Ueber­trittes zum Katholicismus vermag ich den Knaben nicht zu tadeln. Vater Rousseau war offenbar mehr patriotisch, als confessionell gesinnt, Rousseau hatte bei ihm eine religiöse, nicht aber eine kirchliche Er­ziehung erhalten, eine besondere Anhänglichkeit an den finsteren harten Calvinismus Genfs ist weder beim Vater noch beim Sohne vorauszusetzen. Wahrscheinlich lebten schon in dem Knaben die deistischen Auf­fassungen, die Rousseau durch sein ganzes Leben fest­gehalten hat. So musste ihm die Confession wie ein Rock vorkommen, den man ohne Schaden des Leibes mit einem anderen vertauschen kann. Was sollte denn der arme Junge thun, der hilflos in der weiten Welt dastand? Von hinten schob die Noth, und die Liebe zu der hübschen Frau von Warens zog. Neue Miss­handlungen hatte Rousseau in Turin zu erdulden. Der Bekehrte, ein halbes Kind, wurde mit ein paar Groschen in der Tasche in die fremde Stadt hinaus­gestossen. Er schlug sich durch, so gut es eben gehen wollte, wie es etwa Einer heute in Amerika thut. Wer hätte es unter seinen Verhältnissen besser gemacht? Die, die über den Vagabunden, der bald als Diener,