Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911) J. J. Rousseau
Entstehung
Seite
63
Einzelbild herunterladen

Die Blasenstörungen.

erlitt ich einen schweren Rückfall, weil ich mich mit der hässlichen Arbeit an der verdammten Kasse etwas überanstrengt hatte, und fünf oder sechs Wochen lag ich zu Bett im traurigsten Zustande, den man sich vorstellen kann. Frau Dupin schickte mir den berühmten Morand, der trotz seiner Geschicklichkeit und der Zartheit seiner Hand mir unglaubliche Schmerzen ver­ursachte und dem die Sondirung niemals bei mir ge­lang. Er rieth mir, mich an Daran zu wenden, dessen biegsamere Bougies sich in der That einführen liessen. Aber Morand erklärte, als er der Frau Dupin über meinen Zustand berichtete, dass ich in einem halben Jahre nicht mehr am Leben sein würde. Dieser Ausspruch des Arztes kam Rousseau zu Ohren und veranlasste ihn zu dem folgenreichen Entschlusse, sich von den Fesseln der Gesellschaft zu befreien, seine bisherige Stellung als Secretär der Frau Dupin auf­zugeben und sein Brot durch Notenschreiben zu er­werben. Er legte allen Schmuck, Uhr und Degen ab und wollte den kurzen Rest seines Lebens in Unab­hängigkeit und Armuth verbringen.Jener Anfall, den ich erlitten, zog Folgen nach sich, die mich nie wieder zu meinem früheren Wohlsein gelangen liessen, und ich glaube, dass die Aerzte, denen ich mich anvertraute, mir ebensoviel schadeten wie die Krankheit. Ich wandte mich nach einander an Morand, Daran, Helve­tius, Malouin, Thierry, die alle sehr gelehrt und alle meine Freunde waren. Jeder behandelte mich auf seine Art, keiner half mir, jeder machte mich schwächer. Je mehr ich mich ihren Weisungen unterwarf, um so