Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911) J. J. Rousseau
Entstehung
Seite
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Die Blasenstörungen,

Grund, der mich von der Gesellschaft fern hielt. und mich hinderte, mich in Damenkreise zu begeben. Der blosse Gedanke an den Zustand, in den mich dieses Bedürfniss versetzen konnte, hätte hingereicht, es in solchem Grade hervorzurufen, dass es mir Uebelkeit verursachen musste. Die letzte Bemerkung Rousseaus dürfte sehr richtig sein: das Seelische spielte bei seinen Blasenbeschwerden vielleicht eine ebenso grosse Rolle wie die anatomischen Veränderungen. An jenemMorgen liess Rousseau sich krank melden und verzichtete auf die Gunst des Königs, wobei freilich die Befürchtung, durch Annahme einer Pension mundtodt gemacht zu werden, das Hauptmotiv war. Am 13. Februar 1753 schrieb Rousseau an Frau von Warens:Ihr Sohn nähert sich mit grossen Schritten seiner letzten Ruhe­stätte. Das Uebel hat in diesem Winter sich derart ent­wickelt, dass es mein letzter gewesen sein dürfte. Im Sommer 1753 machte er einen längeren Ausflug nach Saint Germain, während dessen er den Plan zu seiner Abhandlung über die Ungleichheit unter den Menschen entwarf. Nach der Rückkehr fühlte er sich viel wohler. Ich folgte diesem Fingerzeige, und indem ich mich ent­schloss, ohne Aerzte und ohne Arznei zu genesen oder zu sterben, sagte ich ihnen Lebewohl für immer und fing an, von einem Tage zum andern zu leben, verhielt mich ruhig, wenn ich nicht gehen konmnte, und ging, wenn ich die Kraft dazu hatte. Besserung im Sommer, Verschlimmerung im Winter, das war für die Folgezeit die Regel. Zu den Blasenbeschwerden gesellten sich die eines Leistenbruches. Gemüthsbewegungen ver­

Möbius, Rousseau. 5