Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911) J. J. Rousseau
Entstehung
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Rousseaus Mannesalter.

ausgesprochen, es möchte sich entweder um einen Krampf des Blasenhalses, oder um eine Vergrösserung der Prostata, die bei der allgemeinen Abmagerung im Alter zurückgegangen wäre, gehandelt haben. Soem­mering soll an einen Krampf der Urethra geglaubt haben, Amussat an eine Verengerung des Canals durch Anschwellung der Schleimhaut. Lallemand vermuthete bei Rousseau, wie fast überall, Spermatorrhoe. Am ein­gehendsten hat sich L. A. Mercier mit dem Gegenstande beschäftigt, und er ist zu der Ansicht gekommen, dass bei Rousseau die von ihm zuerst beschriebenemus­kuläre Klappe am Blasenhalse, die gewöhnlich Mer­ciersche Klappe genannt wird, bestanden habe. Ich schliesse mich dieser Auffassung an, möchte es aber dahingestellt sein lassen, ob ausserdem, wie Mercier will, eine Urethritis chronica vorhanden gewesen ist. Eine Infection hat nie stattgefunden. Die Symptome sind bei der Mercierschen Klappe ungefähr dieselben wie bei Hppertrophie des mittleren Lappens der Pro­stata und es ist begreiflich, dass Cöme diese Hyper­trophie diagnosticirt hat. Sie kommt aber bei jüngeren Männern nicht leicht vor und würde bei der Section der Aufmerksamkeit kaum entgangen sein, während die Merciersche Klappe sehr leicht übersehen werden kann, und von Denen, die nichts weiter wussten, wohl über­sehen werden musste. Mercier bemüht sich darzuthun, dass alle Eigenthümlichkeiten Rousseaus, seine Nei­gung zur Einsamkeit, seine übergrosse Empfindlichkeit, seine Verurtheilung der bestehenden Gesellschaftformen, sein Verfolgungswahn u. s. Ww., Wirkungen der Blasen­