Therese Levasseur.
beschwerden gewesen seien. Ich brauche wohl kaum zu sagen, dass ich diese etwas spezialistische Auffassung nicht theile, wiewohl zuzugestehen ist, dass die andauernden körperlichen Leiden, die eben wegen Rousseau’s angeborener Empfindlichkeit grösser waren, als sie sonst gewesen sein würden, Rousseau’s Reizbarkeit wiederum steigern mussten. Dass aber, trotz aller Schmerzen, und trotz all des Peinlichen, was sein Leiden mit sich brachte, Rousseau von aller Verbitterung frei und, wie wir sehen werden, auch in seinem Wahne mild und gerecht blieb, das ist für die Vortrefflichkeit seines Wesens ein glänzendes Zeugniss.
Bald nach seiner Rückkehr von Venedig trat Rousseau in ein Verhältniss ein, das für sein Leben von grosser Bedeutung wurde. Therese Levasseur, das Kind herabgekommener Leute, war in dem Hause, in dem Rousseau speiste,„Stütze der Hausfrau“. Das zweioder dreiundzwanzigjährige Mädchen zog Rousseau durch ihr gesittetes und sanftes Wesen an, und rasch fanden sich beide. Rousseau erklärte ihr,„dass er sie nie verlassen und nie heirathen würde“, und sie war damit einverstanden. Um eigentliche Liebe scheint es sich nicht gehandelt zu haben. Der Umgang mit dem gutmüthigen und vertrauensvollen Mädchen that Rousseau wohl; es herrschte dabei eine ruhige Zärtlichkeit, die eine gewisse Leere seines Herzens ausfüllte, ohne ihn doch in seinen Gedanken und Bestrebungen zu hemmen. Geistige Leistungen verlangte Rousseau von seiner Gefährtin nicht. Sonst freilich wäre er übel gefahren, denn nach seiner eigenen
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