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Rousseau als Philosoph.
abgesehen, dass doch auch die menschliche Entwicklung eine natürliche ist. Er machte den falschen Gegensatz von Natur und Mensch gerade zu einem Ecksteine seines Lehrgebäudes.
Also, man kann mit Recht.gegen Rousseau’s Ausführungen principielle Einwendungen erheben, und dies ist jetzt, nachdem eine mehr als hundertjährige Entwicklung uns von Rousseau trennt, gar keine Kunst. Aber gerade Der, der Rousseau heute kritisch gegenübertritt, erstaunt vor der Kraft und Tiefe seines Denkens*), er sieht bedeutende neue Gedanken mit Irrthümern ringen, bewundert jene und wundert sich nicht, wenn theilweise der Irrthum siegt. Dass der Gedankenbau Rousseau’s, dem gegenüber der grösste Theil der „Philosophie“ seiner Zeit als leeres Gewäsch erscheint, Erfindung der Schriftstellereitelkeit sei, ist eine geradezu lächerliche Behauptung, und von Krankheit
*) Ich möchte hier nur Ein Beispiel geben. Rousseau bezeichnet im Discours sur l’inegalite mit klaren Worten das Mitleid als Fundament der Moral. Diese schöne Stelle citirt Schopenhauer und er widmet seinem Vorgänger folgende Worte:„Dagegen aber hat meine Begründung die Autorität des grössten Moralisten der ganzen neueren Zeit für sich: denn dies ist, ohne Zweifel, J. J. Rousseau, der tiefe Kenner des menschlichen Herzens, der seine Weisheit nicht aus Büchern, sondern aus dem Leben schöpfte, und seine Lehre nicht für das Katheder, sondern für die Menschheit bestimmte, er, der Feind der Vorurtheile, der Zögling der Natur, welchem allein sie die Gabe verliehen hatte, moralisiren zu können, ohne langweilig zu sein, weil er die Wahrheit traf und das Herz rührte“.
Leider hat Rousseau später den zuerst eingeschlagenen Weg verlassen und versucht, die Moral in anderer Weise zu begründen.
zz. RES FE