Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911) J. J. Rousseau
Entstehung
Seite
78
Einzelbild herunterladen

78

Rousseaus Mannesalter.

könnte nur in dem Sinne die Rede sein, in dem Moreau das Genie eine Neurose genannt hat. Freilich zeigt sich Rousseau auch in seinem philosophischen Denken| als ein von der Art Gewichener, als ein Entarteter,| aber Gesundheit und Philosophie vertragen sich über­haupt schlecht mit einander.

Dass Rousseau, indem er seiner Zeit den Krieg er­klärte, sich Feinde erwarb, ist nur natürlich. Je begrün-. deter die Anklagen waren, die er gegen die gewissen- 7 lose Typrannei der Regirenden, gegen die sittliche Ver-| worfenheit der Gesellschaft, gegen die jämmerliche Eitelkeit der nichtigen Salon- und Büchermenschen erhob, um so tiefer mussten sie verwunden. Doch die c mehr oder weniger unpersönliche Feindschaft gegen} den Schriftsteller wäre Rousseau nicht gefährlich ge- l worden. Sie wurde reichlich aufgewogen durch die auf-{7 richtige Bewunderung, die seinem Talente von allen Seiten und seinen Absichten von Seiten der Wohlge- 3 sinnten entgegengebracht wurde. Bedenklicher war die 4 Abneigung, die das practische Geltendmachen seiner L Grundsätze ihm erregen musste. Die Gesellschaft 7 tadelt Jeden, der anders ist als sie, und muss Den 4 hassen, dessen Rede nicht nur, sondern dessen Thun|| auch ein fortwährender Vorwurf für sie ist. Doch auch diese Art von Feindschaft wäre zu überwinden gewesen: Die Gesellschaft würde über denSonderling bald zur Tagesordnung übergegangen sein. Hätte sich Rousseau wirklich bei Zeiten in die Einsamkeit zurück­ECZzOgen, so hätte er sein Leben in Frieden vollenden können. Aber sein liebebedürftiges, vertrauensvolles

a

SE=. u