Rousseau’s Mannesalter.
keit seiner Schilderung erkannt worden. Wohl ist RousSseau ungeschickt gewesen, bald allzu weichmüthig und nachgebend, bald aufbrausend und unbedacht. Wohl ist es unbegreiflich, dass er sich so lange nasführen liess und die ihm gelegten Schlingen nicht erblickte. Aber seine Gesinnung trifft kein Vorwurf. Ich kann mich nicht enthalten, die Worte wiederzugeben, zu denen sich Julius, einer der Uebersetzer der Bekenntnisse, gedrängt fühlte, als er von den Briefen Rouseau’s aus der in Rede stehenden Zeit handelte.„O ‚wie liebenswürdig zeigt sich Rousseau in allen diesen Briefen, besonders auch in denen, welche er in der heftigsten Aufregung geschrieben hat. Welches Zartgefühl, welche Selbstbeherrschung, welche Milde, welche Versöhnlichkeit, welch Liebesbedürfniss, welcher Adel der Gesinnung und der Sprache selbst im höchsten Affect, Es ist unmöglich, diese Briefe zu lesen und den Mann, der sie geschrieben, der so gefühlt hat, nicht zu lieben. Beklagenswerther, lieber, edler Mensch, o du schönes, menschliches, du armes Herz!“ In der That, wenn für irgend Jemand, so ist fürRousseau das Leiden eine Schule der Vollkommenheit geworden. In seiner Jugend sehen wir sein Wesen von manchen Schlacken umgeben. Das Leben aber hat ihn geläutert. Je älter er wird, als um so reiner und verehrungswürdiger erscheint er. Milde und Gerechtigkeit sind die ihm eigenen Tugenden und gerade seinen Feinden gegenüber hat er sie in glänzender Weise bewährt. Seltsames Schicksal! Wenige von den Schriftstellern seiner Zeit waren in moralischer Beziehung werth, ihm die Schuhriemen aufzulösen, und
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