Die Briefe an Malesherbes.
und Sie nicht mit den meinigen behelligen zu sollen. Obgleich ich mich über das Vorgefallene nicht beruhigen kann, ist es mir doch lieb, dass Sie davon Kenntniss haben, seitdem ich weiss, dass ich dadurch Ihre Achtung nicht verloren habe. Ich hoffe, sie werde sich nicht vermindern, wenn Sie mich nicht mehr für besser halten werden, als ich bin.
Die Beweggründe, die Sie dem von mir, Seitdem mein Name der Welt bekannt geworden, durchgeführten Verhalten unterlegen, machen mir mehr Ehre, als ich beanspruchen kann. Immerhin kommen sie der Wahrheit näher als die, die mir jene gelehrten Herren zuschieben, deren einziger Gedanke der Ruf ist, und die meine Empfindungen nach den ihrigen beurtheilen. Mein Herz ist für andere Neigungen zu sehr empfänglich, als dass ich der öffentlichen Meinung zu viel Werth beilegen möchte. Ich liebe mein Vergnügen und meine Unabhängigkeit zu sehr, um in dem Grade, wie jene es voraussetzen, Sklave der Eitelkeit zu sein. Der, dem die Hoffnung auf Vermögen und Vorwärtskommen niemals ein Stelldichein oder ein angenehmes Abendbrot aufwog, wird sein Glück natürlich nicht dem Wunsche, von sich reden zu machen, aufopfern, und es ist ganz unwahrscheinlich, dass ein Mann, der in sich einige Begabung fühlt und doch bis zum vierzigsten Jahre wartet, ehe er sich bekannt macht, thöricht genug sei, nur deshalb in der Verlassenheit sich bis zum Ende seiner Tage zu langweilen, um sich den Ruf eines Menschenfeindes zu verschaffen.
Ja, mein Herr, obgleich ich die Ungerechtigkeit und