Unglück und Beginn der Krankheit.
einigen Anmerkungen und beauftragte diesen, es abzudrucken, damit die Bewohner von Paris ihr Urtheil fällen könnten. Es ist aber kaum zweifelhaft, dass er innerlich doch schwer verwundet war, und dass der Angriff auf seinen guten Namen ihn auf das Bitterste geKkränkt hatte. Von nun an schwebte ihm das Gespenst der„Entehrung“ vor und raubte ihm von Jahr zu Jahr mehr die Ruhe der Seele.
In den Briefen vom Gebirge finden sich sehr freimüthige Erörterungen über die christliche Glaubenslehre und scharfe Angriffe auf die protestantische Orthodoxie, die die Geistlichkeit in argen Zorn versetzten und für Rousseau überaus unangenehme Wirkungen hatten. Der Pastor von Motiers nämlich, der sich bis dahin sehr zuvorkommend gegen Rousseau gezeigt hatte, verwandelte sich in seinen heftigsten Feind. Er versuchte zunächst, auf gesetzlichem Wege Rousseau beizukommen und seine Excommunication zu bewirken, als dies aber nicht gelang, hetzte er von der Kanzel aus und im Geheimen die Bauern auf. Dies gelang und bald begleiteten Schimpfworte, Drohungen und Steinwürfe den Philosophen auf seinen Spaziergängen. Monatelang ertrug Rousseau geduldig die Misshandlungen. Schliesslich aber bedrohte die Wuth des Pöbels Sicherheit und Leben, denn in einer Nacht wurde Rousseau’s Wohnung umzingelt und mit grossen Steinen bombardirt. Als solchen Angriffen gegenüber die Behörden nur in lässiger Weise einschritten, verliess Rousseau Motiers und das Neuenburger Gebiet (September 1765).
- N
—