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Der grosse Brief an Hume.
Mehr noch hat ihn in Erstaunen gesetzt, dass im persönlichen Verkehre der Ton ein anderer geworden war. Wohl hätten Hume’s Freunde sich fortdauernd bemüht, ihm Gefälligkeiten zu beweisen, aber die Art ihres Benehmens habe sich geändert. Insbesondere der Herr, bei dem sie abgestiegen seien, und sein Bruder haben sich rücksichtlos gezeigt und eine gewisse Missachtung nicht verhehlt. Hume selbst hat im Gegentheile durch übertriebene Schmeicheleien sich verdächtig gemacht, statt den Worten wahrer Freundschaft habe er fades Lob dargeboten. Es habe im Verkehre den Eindruck gemacht, als wünsche Hume Rousseau nicht sowohl Wohlwollen, als Unterstützungen zuzuwenden. Obwohl Hume wusste, dass Rousseau’s Tasche nicht leer war, erfolgten doch fortwährend mehr oder weniger verletzende Anerbietungen, als ob Rousseau auf öffentliche Kosten leben wollte. Doch sei zuzugestehen, dass diese Mildthätigkeit auch im guten Sinne ausgelegt werden könne.
„Gehen wir weiter. Man verbreitet zu Paris einen falschen Brief des Königs von Preussen, der an mich gerichtet und voll der grausamsten Bosheit ist. Ich erfahre mit Ueberraschung, dass ein Herr Walpole, ein Freund des Herrn Hume, diesen Brief verbreitet. Ich frage, ob dies wahr sei, aber statt aller Antwort fragt mich Herr Hume, von wem ich es wisse. Einen Augenblick vorher hatte er mir eine Karte für eben diesen Herrn Walpole gegeben, damit sich dieser um die wichtigen Papiere, die ich mir in Sicherheit von Paris kommen lassen wollte, bemühe. Ich erfahre, dass der