Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911) J. J. Rousseau
Entstehung
Seite
158
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Unglück und Beginn der Krankheit.

sein gezeigt und innerlich meine Entehrung geplant. Bei den Beobachtungen, die mich beunruhigt hatten, war jede einzelne Thatsache an sich ohne grosse Bedeutung, nur ihr Zusammentreffen weckte das Er­staunen. Vielleicht konnte Herr Hume, der manches mir Unbekannte wusste, bei einer Aufklärung mir eine befriedigende Lösung geben. Das einzige Unerklär­liche war, dass er sich einer Aufklärung widersetzt hatte, die seine Ehre und seine Freundschaft für mich in gleicher Weise nöthig machten. Als letzten Ver­such schrieb denn Rousseau einen Brief an Hume, in dem er einerseits seine Dankbarkeit bezeugte, andererseits seine Unruhe nicht verhehlte.[In Wirk­lichkeit konnte wohl Jemand, der von dem inneren Zu­stande Rousseaus keine Ahnung hatte, aus dem Briefe nicht recht klug werden.] Hume hatte in seiner Ant­wort sich gar nicht beunruhigt gezeigt, sondern ganz cordial über anderweite Dinge geschrieben.Ich war von diesem Schweigen noch mehr betroffen, als ich es von seinem Phlegma bei unserer letzten Unterhal­tung gewesen war. Ich hatte Unrecht: Dieses Schweigen war nach dem anderen sehr natürlich, und ich hätte es erwarten sollen. Denn wenn man einem Manne ins Gesicht zu sagen wagt: Ich bin versucht, Sie für einen Verräther zu halten, und dieser Mann hat nicht die Wissbegierde zu fragen: warum? dann kann man annehmen, dass er eine solche Wissbegierde in seinem ganzen Leben nicht haben werde, und wenn die Beweise ihn auch nur wenig belasten, dieser Mann ist gerichtet, Rousseau entschloss sich nun, den Verkehr mit Hume