Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911) J. J. Rousseau
Entstehung
Seite
168
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Unglück und Beginn der Krankheit.

und glaubte, damit vollständig seinen Verpflichtungen gerecht geworden zu sein. Aber er wusste nicht nurschon in Paris, dass sein Freund Walpole den Spottbrief des Königs von Preussen verfasst hatte, sondern er hatte selbst den beissendsten Satz in diesem Briefe, den, den wir oben wiedergegeben haben, verfasst. Er schwieg nicht nur zu allen Angriffen, die Rousseau in London erfuhr, sondern er freute sich über Voltaires Bosheiten, weil sie zu einer Art von Hahnenkampf zwischen den beiden grossen Schriftstellern führen würden. Er be­mühte sich nicht nur, Rousseau und seine Gefährtin über ihre Geldverhältnisse in unwürdiger Weise auszu­fragen, sondern er beauftragte seine Pariser Freunde, Rousseaus Bankier auszuforschen. Er schrieb dann seinen Bekannten ohne allen Grund, Rousseau mache sich ärmer, kränker, verfolgter, als er es sei. Er schämte sich nicht einmal, das Briefgeheimniss zu verletzen, sondern überwachte mit einer Neugierde, die auch einer alten Waschfrau nicht angestanden hätte, Rousseaus Briefwechsel. Alle diese Dinge wissen wir aus Humes eigenen Briefen. Rousseau freilich wusste nicht Alles, aber er wusste soviel, dass er mit Recht Hume Tact­losigkeit vorwerfen und das Band der Freundschaft lösen konnte. Also in seiner Verurtheilung Humes liegt das Krankhafte nicht, sondern darin, dass er nicht nur Humes Handlungen, sondern fast Alles, was ihm in England widerfahren war, aus einem tief durchdachten Plane ableitete, dass er, indem er mit dem grössten Scharfsinne das Einzelne verknüpfte, über­all die überlegte Absicht, ihm zu schaden, erkannte.