Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911) J. J. Rousseau
Entstehung
Seite
169
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Art der paranoischen Auffassung.

Es ist doch wahrhaftig ein ungeheuerlicher Gedanke, dass Hume den ihm persönlich unbekannten Rousseau deshalb verleitet habe, mit nach England zu kommen, um ihn daselbst mit Anwendung der widersinnigsten Mittel zuentehren. Viele der Umstände, die Rousseau als Indicien anführt, sind so leicht zu deuten, dass Rousseau ohne krankhafte Verblendung sie nicht miss­deuten konnte. Es ist kaum denkbar, dass Rousseau nicht schon in Paris gewusst habe, wie sehr der Welt­mann Hume mit allen literarischen Berühmtheiten und auch mit den Feinden Rousseaus, Voltaire, dAlembert u. s. w. verbunden war. Statt sich zu wundern über die Angriffe, die er in London erfuhr, hätte Rousseau, dem die Denkungsweise und der Einfluss seiner Gegner sehr wohl bekannt waren, in den Spottschriften die natürliche Reaction gegen seinen glänzenden Empfang in London erkennen sollen. Es ist gar nicht zu be­zweifeln, dass Voltaires Neid und Hass durch die Ehren, die Rousseau bezeigt worden waren, aufs Aeusserste gereizt wurden und den Sturm gegen Rous­seau erregten. Auch das konnte Rousseau kaum ent­gehen, dass das Verhältniss zu seiner Haushälterin in der englischen Gesellschaft Anstoss erregte, und dass deshalb Manche eine andere Miene zeigten, als Therese nachgekommen war. Dass Hume, den man übrigens in Paris auf das angebliche Misstrauen Rous­seaus aufmerksam gemacht hatte, auf die Andeutungen Rousseaus über seine Besorgnisse kein Gewicht legte und einer Auseinandersetzung aus dem Wege ging, das konnte Rousseau wohl befremden und ihn ein

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