Verhältniss zwischen Verfolgung und Wahn,
klärung von Wahnvorstellungen eingenommen zu sein. Rousseau’s Fall ist scheinbar recht geeignet, darzuthun, wie Verfolgungen Verfolgungswahn erzeugen, wie die durch die Erfahrungen erschütterte Seele allmählich das Maass verliert, auch da Verfolgung ahnt, wo keine ist, und schliesslich alles im Sinne dieses Wahnes deutet. Wenn man aber bedenkt, dass in den meisten Fällen von Verfolgungswahn von wirklicher Verfolgung keine Rede ist, und dass der Wahn da sich ebenso darstellt, wo er in der Erfahrung Anknüpfungen findet, wie da, wo solche fehlen, dass die typischen Wahnvorstellungen bei Gebildeten und Ungebildeten, bei den Angehörigen der verschiedenen Nationen in ungefähr gleicher Weise auftreten und den Insassen der Irrenanstalten in den verschiedenen Ländern eine merkwürdige Aehnlichkeit geben, dann wird man misstrauisch gegen psychologische Vermittelungen. In Wirklichkeit steigen die Hauptformen des Wahns aus der Tiefe des Unbewussten herauf, als wohin unsere Psychologie nicht reicht. Will man andere Worte brauchen, so kann man auch sagen: dem Wahne liegen Veränderungen im Gehirne zu Grunde, die durch die unserem bewussten Seelenleben entsprechenden Vorgänge nicht allein verursacht sind. Die seelischen Ursachen des Wahns kommen weniger ihrer Qualität nach, als ihrer Quantität nach, als verschiedene Formen der Gemüthserschütterung in Betracht. Die Gemüthserschütterung wird um so verderblicher sein, je mehr der Betroffene von Haus aus Anlage zu geistiger Erkrankung besitzt, und da, wo eine solche gänzlich