Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911) J. J. Rousseau
Entstehung
Seite
172
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Unglück und Beginn der Krankheit.

fehlt, wird nach allgemeiner Erfahrung auch die stärkste perturbatio mentis Geisteskrankheit nicht bewirken. Diese Sätze finden auch auf Rousseau Anwendung. Wir werden die Verfolgungen, die er erduldet hat, in der Hauptsache als Gemüthserschütterungen anzusehen haben, und müssen dahingestellt sein lassen, ob nicht auch schwere Schicksalschläge anderer Art, sein zu geistiger Erkrankung geneigtes Seelenleben(oder Ge­hirn) dem Verfolgungswahne zugeführt hätten.

Das Neben- und Durcheinander von wirklicher und eingebildeter Verfolgung bei Rousseau ist ebenso merkwürdig, wie es der Beurtheilung Schwierigkeit macht. Können wir auch ziemlich oft aus äusseren oder inneren Gründen die Krankhaftigkeit Rousseauscher Aeusserungen erkennen, so bleiben doch viele Fälle übrig, in denen Rousseaus Aussagen möglicherweise der Wirklichkeit entsprechen, und der Mangel ander­weiter Nachrichten die Entscheidung unmöglich macht. Vorläufig sei bemerkt, dass Sinnestäuschungen bei Rousseau niemals vorgekommen zu sein scheinen, dass es sich bei seinem Wahne immer nur um falsche Deutung des richtig Wahrgenommenen handelt. Da anderer­seits die unbedingte Wahrhaftigkeit Rousseaus durch zahllose Proben festgestellt ist, so liegt kein Grund vor, seinen thatsächlichen Angaben zu misstrauen. Freilich ist oft schwer zu sagen, wo die Beobachtung aufhört und die Schlüsse aus dem Beobachteten beginnen.

Der Streit mit Hume war für Rousseau ein schwerer Schlag, denn er erschütterte sein Ansehen ebenso wie sein Gemüth. Hume, den sein Intellect zu