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Botanische Freuden.
nur noch botanische Bücher lesen, nur noch von Pflanzen mit seinen Freunden sprechen.„Meine Seele, todt für alle grossen Erregungen, ist nur noch für die Sinnenwelt empfänglich... ich schlendere gemächlich von Pflanze zu Pflanze, von Blume zu Blume; ich betrachte sie, vergleiche sie“ u. s.w. Gelingt es ihm, die Pflanze richtig zu bestimmen und sich eine Vorstellung von ihrem Bau, ihrer Lebensthätigkeit zu machen, so fühlt er sich unbeschreiblich glücklich.„Ich erklimme Berge und Felsen, ich dringe in die Tiefe der Thäler und Wälder... da komme ich mir vor, als wäre ich vergessen von den Menschen, in Freiheit und in Frieden, als hätte ich keine Feinde mehr, oder als müsste das Laubwerk der Gehölze mich vor ihren Händen schützen“. Doch auch zu Menschen gewann Rousseau neue und freundliche Beziehungen. Sein Hauswirth zeigte sich als verständiger, höflicher Mann, verschiedene Edelleute, die den Sommer auf ihren Landsitzen in der Nähe von Wootton zubrachten, suchten Rousseau’s Umgang. Insbesondere entwickelte sich ein wahrhaft freundschaftliches Verhältniss zu„dem guten, vortrefflichen Nachbar“ Herrn Granville und dessen Familie. Durch Granville lernte Rousseau die Herzogin von Portland kennen, eine unterrichtete, für die Naturwissenschaften begeisterte Dame, mit der ihn seine botanischen Neigungen bald verbanden. Sie besuchte ihn in Wootton und kletterte dort Pflanzen suchend in den Felsen herum, sodass er ihr kaum nachzufolgen vermochte. Auf der Herzogin Wunsch entwickelte sich ein Briefwechsel, der auch dann, als Rousseau Eng