Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911) J. J. Rousseau
Entstehung
Seite
177
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Die erste Hälfte der Bekenntnisse.

tritte hervorhob, um dann sagen zu können: jetzt wisst Ihr alles Schlechte von mir, was mehr gesagt wird, ist Lüge. Zugleich aber hielt er es gegenüber den maass­losen Verdächtigungen, die unausgesetzt gegen seinen Charakter und seine Lebensführung gerichtet wurden, für Pflicht, das Gute, was an ihm war und was er gethan hatte, ohne sogenannte Bescheidenheit darzu­stellen. Nur in diesem Sinne, als Vertheidigungschrift dürfen die Bekenntnisse, und zwar besonders die erste Hälfte, die Rousseau in Wootton schrieb, aufgefasst werden. Er bestimmte von vornherein, dass sie nicht bei seinen Lebzeiten veröffentlicht werden sollten, nur der Nachwelt gegenüber sollten sie seinen verunglimpf­ten Namen zu Ehren bringen. Da nach Ablauf des Jahrhunderts, denn diesen Termin setzte er zur Ver­öffentlichung fest, alle Die, mit denen er in Berührung gekommen war, gestorben sein würden, glaubte er auch von ihnen mit derselben Offenheit, mit der er sich selbst schilderte, und ohne die er seinen Zweck ver­fehlt haben würde, sprechen zu dürfen. Es ist schwer verständlich, dass ein so scharfsinniger Kenner des Menschenherzens, wie Rousseau es war, über den Er­folg, den seine Bekenntnisse haben würden, sich so irrthümlichen Erwartungen hingab, wie er es that. Zunächst erzählte er, sobald er seinen Plan gefasst hatte, ohne jedes Bedenken Allen davon, die es hören wollten, und erkannte nicht, dass er durch diese Mittheilungen sich selbst in der empfindlichsten Weise schädigte, seine Feinde zur Fortsetzung und Ausbrei­tung ihrer Verleumdungen geradezu aufforderte. Denn

Möbius, Rousseau.