Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911) J. J. Rousseau
Entstehung
Seite
178
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Unglück und Beginn der Krankheit.

diese alle erschraken, als sich die Nachricht: Rousseau schreibt seine Memoiren, wie ein Lauffeuer ver­breitete, und fürchteten, die machtvolle Feder Rous­seaus möchte ihnen nun vergelten, was sie ihm ge­than. Natürlich beeilten sie sich, Vorbeugungsmaass­regeln zu treffen, d. h. den Ruf und die Glaubwürdigkeit Rousseaus soweit zu zerstören, wie es ihnen möglich war. Ohne die Furcht vor Rousseaus Memoiren hätte Hume seinengedrängten Bericht nicht geschrieben, und wäre Rousseau überhaupt ein grosser Theil seiner bitteren Erfahrungen erspart worden.

Als nach Rousseaus Tode die Bekenntnisse er­schienen, war ihre Wirkung begreiflicherweise sehr ver­schieden von der, die Rousseau erwartet hatte. Sie schadeten seinem Andenken mehr, als sie ihm nützten. Denn die Leute, unfähig die strenge Wahrhaftigkeit Rousseaus zu begreifen, sagten sich, dass Jemand, der so viel bekenne, noch viel mehr verschweige. Sie zuck­ten die Achseln über die Beichte, die Rousseau mit Schmerzen abgelegt hatte, und sprachen: ich danke dir Gott, dass ich nicht bin wie dieser da. In der That hat sich der widerlichste Pharisäismus denBekenntnissen gegenüber breit gemacht, und wenn man nach den Steinen, die ihretwegen auf Rousseau geworfen worden sind, urtheilen sollte, so müsste man annehmen, dass sehr viele Schriftsteller ohne Schuld seien.

Natürlich hat es von Anfang an auch an besonnenen und wohlmeinenden Beurtheilungen nicht gefehlt. Diese ebenso wie die abfälligen sind durchweg vom Stand­punkte der Moral aus abgegeben. Die Frage, inwie­