Unglück und Beginn der Krankheit.
diese alle erschraken, als sich die Nachricht: Rousseau schreibt seine Memoiren, wie ein Lauffeuer verbreitete, und fürchteten, die machtvolle Feder Rousseau’s möchte ihnen nun vergelten, was sie ihm gethan. Natürlich beeilten sie sich, Vorbeugungsmaassregeln zu treffen, d. h. den Ruf und die Glaubwürdigkeit Rousseau’s soweit zu zerstören, wie es ihnen möglich war. Ohne die Furcht vor Rousseau’s Memoiren hätte Hume seinen„gedrängten Bericht“ nicht geschrieben, und wäre Rousseau überhaupt ein grosser Theil seiner bitteren Erfahrungen erspart worden.
Als nach Rousseau’s Tode die Bekenntnisse erschienen, war ihre Wirkung begreiflicherweise sehr verschieden von der, die Rousseau erwartet hatte. Sie schadeten seinem Andenken mehr, als sie ihm nützten. Denn die Leute, unfähig die strenge Wahrhaftigkeit Rousseau’s zu begreifen, sagten sich, dass Jemand, der so viel bekenne, noch viel mehr verschweige. Sie zuckten die Achseln über die Beichte, die Rousseau mit Schmerzen abgelegt hatte, und sprachen: ich danke dir Gott, dass ich nicht bin wie dieser da. In der That hat sich der widerlichste Pharisäismus den„Bekenntnissen“ gegenüber breit gemacht, und wenn man nach den Steinen, die ihretwegen auf Rousseau geworfen worden sind, urtheilen sollte, so müsste man annehmen, dass sehr viele Schriftsteller ohne Schuld seien.
Natürlich hat es von Anfang an auch an besonnenen und wohlmeinenden Beurtheilungen nicht gefehlt. Diese ebenso wie die abfälligen sind durchweg vom Standpunkte der Moral aus abgegeben. Die Frage, inwie