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Der angebliche Hochmuth Rousseau’s.
Diese Erwägungen finden hauptsächlich auf die zweite Hälfte der„Bekenntnisse“ Anwendung. In den ersten sechs Büchern erinnert fast nichts an die geistige Störung Rousseau’s. Man ist erstaunt über die sonnige Heiterkeit, die in ihnen herrscht, wenn man bedenkt, welche Stürme vor und nach ihrer Abfassung durch Rousseau’s Seele zogen. Rousseau sagt selbst in der Einleitung zum siebenten Buche:„Die erste[Abtheilung] schrieb ich mit Lust und Behagen zu Wootton und zuletzt im Schlosse Trpe. Jede Erinnerung, die mir aufstieg, war für mich ein abermaliger Genuss. Mit immer neuem Vergnügen gab ich mich einer jeden hin und konnte, ohne mir Zwang anzuthun, an meinen Schilderungen so lange feilen, bis ich damit zufrieden war“. Ausser vereinzelten Hinweisungen auf sein späteres trauriges Schicksal wirkt auf den unbefangenen Leser nur der Anfang des ersten Buches befremdend. Man hat den letzteren als Beweis für den erstaunlichen Hochmuth Rousseau’s angesehen, man könnte mit mehr Recht in ihm den Ausdruck eines durch den Gedanken an die allgemeine Verfolgung Kkrankhaft gesteigerten Selbstbewusstseins erblicken. Auch ich würde mich für die zweite Annahme entscheiden, wenn mich nicht die Erinnerung an frühere ähnliche Aeusserungen bedenklich machte. Man vergleiche die Briefe an Malesherbesund meine einleitenden Bemerkungen dazu. Ueberschätzungsvorstellungen pflegen dem Verfolgungswahne nicht vorauszugehen, sondern sich erst nach seinem jahrelangen Bestehen zu entwickeln. Der berühmte Eingang zu den Bekenntnissen lautet: