Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911) J. J. Rousseau
Entstehung
Seite
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Der angebliche Hochmuth Rousseaus.

Diese Erwägungen finden hauptsächlich auf die zweite Hälfte derBekenntnisse Anwendung. In den ersten sechs Büchern erinnert fast nichts an die geistige Störung Rousseaus. Man ist erstaunt über die sonnige Heiterkeit, die in ihnen herrscht, wenn man bedenkt, welche Stürme vor und nach ihrer Abfassung durch Rousseaus Seele zogen. Rousseau sagt selbst in der Einleitung zum siebenten Buche:Die erste[Abthei­lung] schrieb ich mit Lust und Behagen zu Wootton und zuletzt im Schlosse Trpe. Jede Erinnerung, die mir aufstieg, war für mich ein abermaliger Genuss. Mit immer neuem Vergnügen gab ich mich einer jeden hin und konnte, ohne mir Zwang anzuthun, an meinen Schil­derungen so lange feilen, bis ich damit zufrieden war. Ausser vereinzelten Hinweisungen auf sein späteres trauriges Schicksal wirkt auf den unbefangenen Leser nur der Anfang des ersten Buches befremdend. Man hat den letzteren als Beweis für den erstaunlichen Hochmuth Rousseaus angesehen, man könnte mit mehr Recht in ihm den Ausdruck eines durch den Gedanken an die allgemeine Verfolgung Kkrankhaft gesteigerten Selbstbewusstseins erblicken. Auch ich würde mich für die zweite Annahme entscheiden, wenn mich nicht die Erinnerung an frühere ähnliche Aeusserungen be­denklich machte. Man vergleiche die Briefe an Males­herbesund meine einleitenden Bemerkungen dazu. Ueber­schätzungsvorstellungen pflegen dem Verfolgungs­wahne nicht vorauszugehen, sondern sich erst nach seinem jahrelangen Bestehen zu entwickeln. Der be­rühmte Eingang zu den Bekenntnissen lautet: