Unglück und Beginn der Krankheit.
„Ich gehe an ein Unternehmen, das noch kein Beispiel hat, und das keinen Nachahmer finden wird. Ich will meinen Mitmenschen einen Menschen in aller Wahrheit der Natur zeigen, und dieser Mensch bin ich.
Ich allein. Ich verstehe mein Herz und ich kenne die Menschen. Ich bin nicht wie einer von denen, die ich gesehen habe, ja ich getraue mir zu sagen, nicht wie einer von allen, die gelebt haben..:.
Mag die Posaune des jüngsten Gerichts ertönen, wann sie will. Ich werde kommen und mit diesem Buche in der Hand vor den höchsten Richter treten. Ich werde laut sagen: Hier, so handelte ich, so dachte ich, so war ich. Ich habe das Gute und das Böse mit demselben Freimuthe gesagt... Ich habe mich so dargestellt, wie ich war, verächtlich und niedrig da, wo ich es gewesen bin, gut, edel, erhaben da, wo ich es gewesen bin... Ewiges Wesen versammele um mich die unzählige Schaar meiner Brüder: Mögen sie meine Bekenntnisse hören, mögen sie über meine Unwürdigkeit seufzen, über mein Unglück erröthen. Möge jeder von ihnen seinerseits vor den Stufen Deines Thrones sein Herz mit derselben Offenheit entfalten und dann sage ein Einziger, wenn er es wagt: Ich war besser als dieser Mensch“.*)
*) Ich finde bei Sainte Beuve(Causeries du lundi, 4. 6d.,
III, p. 78) die Nachricht, dass in der Bibliothek zu Neuchatel ein erster Entwurf Rousseau’s vorhanden ist, in dem der Anfang der Bekenntnisse eine andere Gestalt hat. In ihm ertöne die Posaune des jüngsten Gerichts nicht, sondern Rousseau lege sein Vorhaben in längerer philosophischer Auseinandersetzung dar.