Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911) J. J. Rousseau
Entstehung
Seite
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Rousseaus Thätigkeit in Schloss Trye.

etwas mit Sorgfalt zu schreiben.In dem Grade, in dem meine Schwäche und meine Muthlosigkeit zu­nehmen, wächst auch meine Trägheit. Aller Trieb zur Thätigkeit ist mir erstorben. Ich habe zu nichts mehr Lust, selbst nicht zum Spazierengehen. Beschränkt auf das sehr ermüdende Geschäft, aufzustehen und zu Bette zu gehen, finde ich auch das noch zuviel; im Uebrigen bin ich gar nichts. Das ist nun nicht so wörtlich zu nehmen; was RousseauTrägheit nennt, würde bei einem Anderen angestrengte Thätigkeit sein. Er gab zu dieser Zeit seinWörterbuch der Musik her­aus, er vollendete die erste Hälfte der Bekenntnisse, er trieb eifrig botanische Untersuchungen und studirte botanische Bücher, er las Romane, Reisebeschreibungen und Aehnliches, er führte einen nicht unbedeutenden Briefwechsel. Auf das Lebhafteste erregten ihn die Genfer Streitigkeiten, und er wurde nicht müde, seinen Freunden Versöhnlichkeit zu empfehlen, seinen Ein­fluss nach verschiedenen Richtungen hin zum Vor­theile des Friedens geltend zu machen. Während Genf zeitweise von Truppen eingeschlossen war, schickte er (bei einem Jahreseinkommen von etwa 1300 Francs) 350 Francs, um die Noth des Volkes lindern zu helfen. Als endlich eine Aussöhnung zwischen den streitenden Parteien erfolgt war, erfüllte ihn dies mit der innigsten Freude. Es ist bemerkt worden, es befremde, zu sehen, wie Rousseau gleichzeitig in der Beurtheilung seiner eigenen Verhältnisse im Dunkeln tappt und den Welt­händeln gegenüber einen klaren, sicheren Blick be­wahrt. Doch liegt dies eben in der Natur des Wahnes

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