Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911) J. J. Rousseau
Entstehung
Seite
221
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Die Formalitäten in den Briefen.

schränkt, aber der Briefwechsel war lebhaft. Rousseau stand mit einer Reihe von Kennern oder Freunden der Botanik in unausgesetztem Verkehre und gab sich seinen botanischen Büchern sowie der Arbeit an dem Herbarium mit grossem Eifer hin. Auch beantwortete er manche Briefe, in denen er um Aeusserung über religiöse oder moralische Fragen gebeten worden war, sehr eingehend und mit seiner alten Beredsamkeit. Doch gerade in diesen Briefen Rousseaus zeigt sich die fort­schreitende Verschlimmerung seines Zustandes auf selt­same Weise. Seit dem Februar 1770 stellte er an den Anfang seiner Briefe ohne Rücksicht auf deren In­halt folgende Verse:

Pauvres aveugles que nous sommes!

Ciel, demasque les imposteurs,

Et force leurs barbares coeurs A souvrir aux regards des hommes.

Der erste Brief, der dieses Motto trägt, zeigt auch eine neue Weise, das Datum zu schreiben, nämlich: 17°%709, statt le 9 Fevr. 1770. Eine Zeit lang hielt Rousseau diese Formalitäten, die durchaus mali ominis sind, fest. Später benutzte er ein kürzeres Motto: Post tenebras lux.

Inzwischen war die Unzufriedenheit mit dem Auf­enthalte in Monquin auf einen hohen Grad gestiegen. Das Haus des Herrn von Cesarges hatte nur einen ungenügenden Schutz gegen die Kälte des Winters geboten, und es wurde Rousseau ganz verleidet, als von Frau von Cesarges ein Fräulein Vertier an die Spitze der Dienerschaft gestellt wurde. Diese Person drängte sich an Rousseau heran und wurde, als er ihr schliesslich