Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911) J. J. Rousseau
Entstehung
Seite
230
Einzelbild herunterladen

230

Paris.

Man kann an ihnen die Ausbreitung seines Wahnes verfolgen. Immer herber urtheilt er über die ehemaligen Freunde und Bekannten; auch Die, deren er bei der Abfassung des Werkes mit Vertrauen gedacht hatte, werden ihm allmählich verdächtig und nur wenige der Lebenden entgehen, wie Malesherbes, dem Miss­trauen.

Allmählich zog sich der in seinen Hoffnungen Be­trogene aus dem persönlichen und dem brieflichen Verkehre zurück. Lange genug hatte ernach einem Menschen gesucht, er durfteseine Laterne nun aus­löschen. Einladungen nahm er seit 1771 gar nicht mehr an, und Niemand einen Besuch zu machen, das betrachtete er als Grundsatz. Den Besuchern seine Thüre gänzlich zu verschliessen, ging nicht wohl an, wenn er nicht seinem Gewerbe entsagen wollte. Doch suchte er sich gegen die Neugierigen, die Zudring­lichen und Frechen, dieQuidams nach Kräften zu schützen, und Therese bewachteals Cerberus den Eingang. Bei alledem war Rousseau von vollständiger Abschliessung noch weit enfernt. Die Zahl Derer, die ihn mehr oder weniger regelmässig besuchten, war nicht gering, und mit verschiedenen Personen stand er für längere oder kürzere Zeit in Beziehungen, die wohl als freundschaftliche bezeichnet werden können. Lei­der aber musste er wiederholt die Erfahrung machen, dass die jungen Männer, die seinen Umgang suchten und ihm schwärmerische Verehrung zu widmen schienen, des nöthigen Taktes ermangelten, oder sich als unaufrichtig zeigten, Erfahrungen, die ihn sehr