Politik und Notenabschreiben.
sucht er im Kopfe nach irgend einer Arie, um sich über die beleidigenden Blicke der Vorübergehenden hinwegzusetzen. Mehrere Romanzen, denen eine traurig klagende, aber zarte und sanfte Melodie zu Grunde liegt, sind so entstanden“.
Der Politik widmete er sich nicht freiwillig, sondern auf die dringenden Bitten des polnischen Grafen Wielhorski hin. Dieser nämlich war im Auftrage seiner Landsleute nach Paris gekommen, um das Gutachten bedeutender Staatsmänner über die Verfassung Polens einzuholen, und hatte sich zu diesem Zwecke auch an Rousseau gewendet, der ihn als redlichen Mann und trefflichen Bürger schätzen lernte und ihm zu Liebe die wenig zusagende Arbeit übernahm. Im Laufe eines halben Jahres schrieb Rousseau die„Considerations sur le gouvernement de la Pologne et sa reformation projet&e en avril 1772“ nieder. Diese Schrift zeichnet sich durch Gründlichkeit und Besonnenheit aus. Hatte sich Rousseau im Gesellschaftvertrage als schroffen Theoretiker gezeigt, so bewies er jetzt, dass ihm auch die positive, mit dem Gegebenen rechnende Staatsweisheit nicht fremd war.
Endlich ist zu erwähnen, dass einen beträchtlichen Theil von Rousseau’s Zeit das Notenabschreiben in Anspruch nahm. Obwohl er sich dieser Arbeit mit grossem Eifer widmete und sie ihn durchaus nicht langweilte, ging sie ihm doch nicht leicht von der Hand. Er beschreibt selbst, wie er sich oft verschrieb, wie er dann unermüdlich radirte, und wenn er schliesslich das Papier durchgekratzt hatte, Stückchen aufklebte.