Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911) J. J. Rousseau
Entstehung
Seite
259
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Die Verdächtigung des Schriftstellers.

Wie war es möglich, dass Jean-Jaques persön­liche Feinde, deren Hass ja begreiflich ist, die unbethei­ligte Menge zu Theilnehmern ihrer Leidenschaft machen konnten? Sie begannen damit, die Grund­sätze, die Jean-Jaques in seinen Schriften vertreten hatte, zu entstellen, den strengen Republikaner in einen ruhelosen Aufwiegler, seine Liebe zur geordneten Frei­heit in einen Hang zur zügellosen Anarchie, seine Ach­tung vor den Gesetzen in Widerwillen gegen die Machthaber zu verkehren. Sie klagten ihn an, die ganze gesellschaftliche Ordnung umstürzen zu wollen, weil ihn die Missbräuche empörten, die man unter diesem Namen zum Verderben der Menschen unantastbar zu machen sucht. Zugleich wurden die harten Wahrheiten, die er allen Ständen gesagt hat, geschickt benutzt, um diese alle gegen ihn aufzubringen. Man sagte den Angehörigen der einzelnen Stände, dass er sie persön­lich missachte, man deutete seine allgemein gehaltenen Vorwürfe als Anklagen gegen die Einzelnen und legte ihnen die boshaftesten Beziehungen unter. So gelang es, die Eigenliebe Aller gegen ihn zu erregen, und die einmal erwachte Feindseligkeit pflanzte sich dann von Familie zu Familie, von Geschlecht zu Geschlecht fort. Sie wird gleichsam ein angeborenes Gefühl, das sich bei den Kindern durch die Erziehung, bei den jungen Leuten durch die öffentliche Meinung befestigt. Auch lässt sich nicht verkennen, dass die Generation, in der

Jean-Jaques gelebt hat, ihn im Allgemeinen weit

weniger hasst als das nachfolgende Geschlecht. Seine Feinde haben sich eben besonders bemüht, die Jugend