Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911) J. J. Rousseau
Entstehung
Seite
261
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Die gutgläubigen Verfolger.

Im

als Schonung für ihr Opfer erscheinen liessen. Ein Fir­niss von Humanität deckt das schwarze Complot und verleitet das Publikum gänzlich, so dass ein Jeder sich beeilt, an dem guten Werke mitzuarbeiten. Jeder sagt sich: Ach, wie edelmüthig bin ich, denn ich ver­leumde ihn zu seinem Besten, ich beschimpfe ihn aus zarter Rücksicht.

Endlich ist in Betracht zu ziehen, dass doch sehr Viele, die sich an Jean-Jaques Verfolgung betheiligen, nicht recht wissen, was sie thun. Die geschickten und mächtigen Urheber der Verfolgung haben nur wenige Personen in ihre Pläne eingeweiht. Die Meisten er­fahren nur soviel, wie gerade nöthig ist, um ihre Mit­wirkung zu erlangen. Es giebt vielleicht nicht zehn Personen, die das ganze Gewebe durchschauen, und von diesen zehn kennen höchstens drei ihr Opfer genau genug, um sicher zu wissen, dass sie einen Unschul­digen anschwärzen. Das Geheimniss des ersten Com­plotes besitzen nur zwei Männer, die zu schweigen wissen[Grimm und Diderot]. Die übrigen Mitschul­digen täuschen sich und glauben wirklich, dass Jean­Jaques ein Bösewicht sei. Drei Viertel der Verfolger würden sich an dem Treiben nicht betheiligen, wenn sie über seinen schändlichen Zweck besser unter­richtet wären. Jean-Jaques selbst weiss sehr wohl einen Unterschied zu machen zwischen der Canaille, der er in Motiers, in Trpye und in Monquin überliefert war, und den Männern von Verdienst, die mehr getäuscht als verführt, zwar zu tadeln, aber auch zu beklagen sind. Gar manche mögen wohl im Stillen die Misshandlung