Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911) J. J. Rousseau
Entstehung
Seite
262
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Die Gespräche,

Jean-Jaques verurtheilen und nur deshalb nicht hervor­treten, weil sie sich nicht nutzlos blossstellen wollen.

Die Vorwürfe, die gegen Jean-Jaques erhoben wer­den, sind theils unsinnig und aus der Luft gegriffen, theils auf falsch ausgelegte Thatsachen begründet. Das erste gilt von den Anklagen der Giftmischerei, der Noth­zucht, der Brutalität, der Ausschweifung, der cpni­schen Frechheit, der niedrigen Schuftereien. Das andere gilt von den Behauptungen, Jean-Jaques sei schroff, hochmüthig, rücksichtlos, er verschliesse seine Thüre allen Fremden, besonders den schmeichlerischen und thränenreichen Quidams und denunerzogenen Lümmeln. Diese letzteren Vorwürfe veranlassen Rousseau zu einer längeren Auseinandersetzung. Rousseau ist selbst oft Zeuge davon gewesen, wie Jean-Jaques Besucher kurz und unfreundlich abfertigte. Ein kluger Heuchler würde anders gehandelt haben, Jean-Jaques aber weiss, dass fast Alle, die zu ihm kommen, die Ehrenhaftigkeit vor der Thüre lassen und ihn mit Schmeicheleien, mit Zu­dringlichkeiten aller Art betrügen und dann auszu­horchen suchen. Jean-Jaques weiss, dass sie alle zum Complot gehören, obwohl keiner es eingesteht, und doch lässt er sich noch oft genug von seiner thörich­ten Gutmüthigkeit verleiten, neue Verbindungen einzu­gehen. Er hofft, dass seine Geradheit und sein Frei­muth endlich die steinernen Herzen öffnen werden, bis neue bittere Erfahrungen ihn überzeugen, dass alles umsonst ist. Dann beschliesst er, allem Verkehre zu entsagen und sich nicht durch falsche Höflichkeit den Verräthern gleichzustellen. Früher war er anders. Er