Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911) J. J. Rousseau
Entstehung
Seite
264
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Die Gespräche.

der Theilnahme und des Mitleids so lange zu peinigen, bis er sie von ihm befreit. Denn trotz des dreifachen Gürtels von Finsterniss, mit dem sie ihn umgeben haben, fürchten sie ihn. Selbst ein Ende zu machen, davor scheuen sie sich offenbar, sei es, dass sie fürch­ten, es möchte herauskommen, sei es, dass sie sich doch noch Skrupel machen, sei es, dass sie das Ver­gnügen, ihn zu quälen, nicht zu früh verlieren wollen. Das aber ist sicher, dass sie ihn zwingen wollen, durch eigene Hand zu sterben. Sie wissen, wie sehr sein Herz nach Liebe und Freundschaft verlangte: sie haben ihm keinen Freund gelassen. Sie wissen, dass er den Ruhm gering, die Ehre über alles schätzte: sie haben seinen Geist gepriesen und seinen Charakter geschmäht. Sie wissen, wie er offen bis zur Unbedacht­samkeit und Feind jeder Geheimthuerei war: sie haben ihn mit Geheimniss, Verrath, Lüge und Falschheit um­geben. Sie wissen, wie sehr er sein Vaterland liebte: sie haben ihn gezwungen, es zu hassen. Sie wissen, wie sehr er es beklagt, ein Schriftsteller gewesen zu sein: sie schicken unter seinem Namen Dutzende von Schundschriften in die Welt, Sie wissen, wie sein Herz für das arme Volk schlug: sie haben ihn dem Volke zum Greuel gemacht. Mit stillen, aber blutigen Be­leidigungen, mit grausamen und höhnischen Blicken, mit Flüstern und Zischeln haben sie ihn aus jeder Ge­sellschaft, aus dem Theater, dem Cafe, von den öffent­lichen Spazierwegen verjagt. Sie wollen ihn zwingen, dass er seine Wohnung nicht mehr verlässt, wo ihn ihre Knechte bewachen, bis ihm das Leben unerträg­