Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911) J. J. Rousseau
Entstehung
Seite
265
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Ueber den Geist der Schriften des Jean-Jaques.

lich wird. Sie haben aber vergessen, dass das Be­wusstsein seiner Unschuld ihn aufrecht erhält, und dass er zu entsagen weiss. Trotz Alter und Unglück hat sich seine Gesundheit befestigt, und die Ruhe der Seele scheint ihn zu verjüngen. Obwohl ihm keine Hoffnung bleibt, war er doch nie weiter von der Verzweiflung entfernt, als eben jetzt.

Das dritte Gespräch(Ueber den Geist der Schriften des Jean-Jaques. Schluss). Während im zwei­ten Gespräche der Franzose sich auf kurze Einwände und Bemerkungen beschränkt hat, ergreift er im dritten Gespräche das Wort und berichtet über den Eindruck, den des Jean-Jaques Schriften inzwischen auf ihn gemacht haben. Er erklärt, dass er sich über Jean­Jaques Schicksal gar nicht mehr wundere, denn er habe alle Stände durch seine Ausfälle im höchsten Grade gereizt. Der Franzose hat die schlimmsten Stel­len ausgezogen und liest sie Rousseau vor. Da ist alles zusammengestellt, was Jean-Jaques gegen die Schrift­steller, gegen die Aerzte, gegen die Grossen und Reichen, gegen die Damen, gegen die Engländer ge­schrieben hat. Ueber die Aerzte z. B. hat Jean-Jaques etwa Folgendes gesagt.Ein hinfälliger Körper schwächt den Geist. Daher die Macht der Medicin, einer Kunst, die den Menschen viel mehr schadet als alle die Uebel, die sie zu heilen behauptet. Ich für meinen Theil weiss nicht, von welcher Krankheit uns die Aerzte heilen, aber ich weiss, dass sie uns arge Uebel bereiten: Feig­heit, Kleinmuth, Todesfurcht. Wenn sie den Leib heilen, tödten sie den Muth. Was liegt daran, dass sie Leich­