Der Epilog.
erschien ihm verändert, so dass er zweifelte, ob er wirklich in Notre-Dame sei, und mit Mühe sich zurecht zu finden suchte. In den sechsunddreissig Jahren seines Pariser Aufenthaltes war er sehr oft in Notre-Dame gewesen, stets hatte er den Zugang zum Chore offen gefunden, niemals ein Gitter oder eine Thüre bemerkt. Er war um so erstaunter über die Hindernisse in seinem Wege, als er Niemand von seinem Vorhaben etwas gesagt hatte, und glaubte in der ersten Aufregung, dass der Himmel selbst an dem Werke der menschlichen Ungerechtigkeit Theil nehme. Rasch verliess er die Kirche, entschlossen, sie nie wieder zu betreten, und lief in seiner Erregtheit durch die Strassen, ohne zu wissen, wo und wohin, bis die Ermüdung und die Nacht ihn zwangen, todmatt und ausser sich vor Schmerz nach Hause zurückzukehren. Bald jedoch beruhigte er sich und sagte sich, dass sein Unternehmen eigentlich sehr thöricht gewesen war. Er hatte kein Wunder verlangen wollen, und doch wäre ein solches zum Gelingen nöthig gewesen. Der Gedanke, dass seine Schrift geradenwegs dem jungen Könige zu Händen gekommen wäre, erschien ihm selbst so verrückt, dass er sich wunderte, wie er ihn habe fassen können. Vielmehr würde man die in der Kirche niedergelegte Schrift unausbleiblich seinen grausamsten Verfolgern überantwortet haben. Das Misslingen seines Planes erschien nun Rousseau als eine Wohlthat des Himmels. Es fiel ihm ein, dass einer seiner ältesten Bekannten vor kurzer Zeit nach Paris gekommen war[der Philosoph Condillac]. Das war