Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911) J. J. Rousseau
Entstehung
Seite
291
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Die Träumereien.

kenntnisse tritt wieder hervor. Das Greisenalter macht sich zwar dadurch bemerklich, dass vielfach Gedanken und Redewendungen aus früheren Schriften verwendet werden, aber im Grossen und Ganzen geben die Reveries an Beredsamkeit, Klarheit und Anschaulich­keit den anderen Werken Rousseaus wenig nach. Es sei gestattet, einige Proben mitzutheilen.

So bin ich also allein auf der Erde, ohne Bruder, ohne Verwandten, ohne Freund, auf meine eigene Gesellschaft angewiesen. Der geselligste und liebendste der Menschen ist von ihnen durch einstimmigen Be­schluss verbannt worden. Sie überlegten in der Raf­finirtheit ihres Hasses, welche Qual meine empfind­liche Seele am grausamsten treffen würde, und zer­brachen rücksichtlos alle Bande, die mich mit ihnen verknüpften. Ich hätte die Menschen ihnen zum Trotze geliebt, nur ihre Unmenschlichkeit konnte meine Neigung tödten. Jetzt sind sie mir fremd, unbekannt, ja gar nichts, da sie es doch so wollen. Aber ich, was bin ich, losgelöst von ihnen und von Allem? Dem Studium seiner Seele will er fortan seine Zeit widmen, damit sein Unglück vergessen und sich für seine letzte Stunde vorbereiten.Seit fünfzehn Jahren und länger bin ich in dieser befremdenden Lage, und sie kommt mir noch immer wie ein Traum vor. Ich denke mir immer, dass eine Verdauungstörung mich behelligte, dass ich in unruhigem Schlafe liege, dass ich erwachen und diese Pein vergessen werde, wenn ich mich wieder unter meinen Freunden finde. Er hat sich früher thöricht benommen, indem: er in seiner Auf­