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Sonderheft 2, Zur Entstehungs und Wirkungsgeschichte Fontanescher Romane
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die Erstausgaben oder andere frühe Drucke als Textgrundlagen angeben - dieser Forderung entspricht. Es galt deshalb, eigene Wege zu gehen. Für die hier vorgelegten Werke wurden zunächst die ersten Buchausgaben mit den Vorabdrucken in Zeitschriften, gegebenenfalls auch mit späteren Auflagen verglichen. Nachdrucke, an deren Herstellung Fontane nachweislich nicht be­teiligt war, konnten dabei ebenso unberücksichtigt bleiben wie Titelauflagen oder Stereotypausgaben. Bei dem Vergleich stellte sich heraus, daß in der Mehrzahl der Fälle die erste Buchausgabe als die beste, d. h. die authentische Edition zu gelten hat. (Näheres darüber findet sich in den Anmerkungen zu den einzelnen Werken.) Dagegen erwies sich die erste geschlossene Ausgabe, die in den Jahren 1890 und 1891 in zwölf Bänden unter dem Titel «Theodor Fontanes gesammelte Romane und Novellen » erschienen ist, als irrelevant für die Textkritik; sie ist ganz offensichtlich ohne die Mitwirkung des Autors vorbereitet und produziert worden. (Vgl. dazu Gotthard Erler, « Die Domi­nik-Ausgabe. Eine notwendige Anmerkung»; in: « Fontane-Blätter», Band 1, Heft 7, 1968, S. 254-257.)

Alle inhaltlich und stilistisch aufschlußreichen Lesarten der Zeitschriftenvor­abdrucke, deren Satz Fontane nachweislich überwacht oder deren Text er für die Buchausgaben noch einmal durchgesehen hat, wurden in den Anmerkun­gen zu den Romanen oder Erzählungen verzeichnet. Darüber hinaus konnten mit Hilfe der von uns angewandten Methode eine Reihe Versehen und Druck­fehler in den Erstausgaben festgestellt und eliminiert werden; in einzelnen Fällen wurden dafür auch die Handschriften oder die von Emilie Fontane für den Druck angefertigten Abschriften zu Rate gezogen. Alle Varianten gegen­über den von uns gewählten Druckvorlagen, einschließlich einzelner unver­meidlicher Konjekturen, sind, soweit es sich nicht um bloße orthographische Abweichungen handelt, ebenfalls in Form von Lesartenverzeichnissen zu den einzelnen Werken registriert bzw. nachgewiesen worden. Orthographie und Interpunktion, in den Erstausgaben von den verschiedenen Verlagen oder den einzelnen Setzern nach recht unterschiedlichen Prinzipien behandelt, haben wir behutsam den heute geltenden Regeln angeglichen, wobei der Lautstand und die für Fontanes Sprachstil charakteristischen orthographischen Besonder­heiten, vor allem in den mundartlich gefärbten Dialogen, unangetastet blieben.

Unsere Ausgabe kann somit für sich in Anspruch nehmen, daß sie zum ersten Male versucht, Fontanes Romane und Erzählungen mit einem kritisch geprüf­ten Text darzubieten.

Fontane hat für die meisten seiner zahlreichen Werke den Stoff unmittelbar aus der Wirklichkeit bezogen. Soweit sich die Quellen für die einzelnen Dich­tungen nachweisen lassen, haben wir sie in den Anmerkungen mitgeteilt oder referiert. Dort findet sich auch eine Darstellung der oft langwierigen Entste­hungsgeschichte für die einzelnen Werke. In großer Zahl konnten hier zum erstenmal aufschlußreiche Vorarbeiten, Notizen, Stoffsammlungen, Schemata