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Sonderheft 2, Zur Entstehungs und Wirkungsgeschichte Fontanescher Romane
Seite
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Prosa verliert und vorübergehend unter einen stillen Einfluß des Toten und seines milden Wesens kommt.

Nur einzelne Punkte sind zu ordnen.

1. Thilde muß noch bei Lebzeiten des Vaters in gute Schulen gekommen sein und schon damals die Absicht gehabt haben, Erzieherin [ darüber : Lehrerin ] zu werden.

2. Es muß von einem Sparhassenbuch gleich zu Anfang (als Thilde anfängt Geld auszugeben) die Rede sein.

3. Von Hugos Mutter und Schwester muß ein klein bißchen mehr die Rede sein, auch muß man erfahren, daß bei ihm ein Restchen von Vermögen oder sonst eine Geldhülfe da ist.

4. Ich muß durch Friedlaender erfahren, welche juristisdien Einpaukebücher es gibt oder gab.

5. Unter Möhrings, zwei Treppen hoch, darf kein Rechnungsrat wohnen, weil schon Schultze einer is[t]; es muß ein Rentier sein, der früher ein Grau­pengeschäft besessen hatte.

6. Zur Hochzeit müssen auch die Verwandten erscheinen, die zu Weihnacht oder Silvester bei der Verlobung waren.

7. Die Möbel werden zum Teil in Woldenstein gemacht, aber zum Teil auch aus einem Berliner Ausstattungs- oder Möbelgeschäft genommen, auf Ab­schlagszahlung. Aus dem Auktionsertrag wird nun diese Schuldsumme be­zahlt. Das ist nötig hervorzuheben, weil Möhrings Vermögensverhältnisse bis zuletzt immer nur einen unsichren Eindruck machen müssen, auch das halbjährige Gehalt geht drauf in Schuldenbezahlen, so daß sie nichts haben als die Witwen-Pension, also etwa 400 Taler. Dadurch wird es auch nötig, daß Thilde noch wieder zuerwirbt.

8. Wichtig ist noch folgendes: Thilde lehnt es im letzten Kapitel ab, wieder ihren Mädchennamen anzunehmen, und diese Szene muß bleiben. Im Schluß­abschnitt aber (s. letzte Seite) muß es gleich zu Anfang heißen: Alles, was sie gesagt, war ihr Ernst [ darüber: ernst]. Als aber das Examen immer näher rückte, bekehrte sie sich doch zu der Ansicht der Alten und sagte: «Ja, der Mädchenname is doch besser - es soll ganz wieder werden, wie es war. Ich werde noch einmal als Witwe hingehn, aber dann werde ich alles weglassen und meine Vergangenheit wieder aufnehmen, als wäre nichts gewesen.» [Auf einem weiteren Blatt:]

Gleich zu Anfang muß durch Thilde gesagt werden: ja, er sieht forsch ge­nug aus und hat den Vollbart, aber es ist foosch. Es sitzt ihm irgendwo. Manche haben solche Brust und ist doch alles spack und foosch.

Und dann weiterhin, als Rybinski zuerst auftritt und fragt: « Na, wie war es denn in Owinsk? » und er die Geschichte von der Stiefelkiste erzählt, da muß doch angedeutet werden, daß er zunächst noch ein paar tausend Taler hat, die er nun bis zum Examen ausgeben kann. Nur so erklärt sich eine ge­wisse Forschete während der Weihnachtswoche.