Briefe von Darwin.
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sie sind sehr eng und ziemlich schlecht; aber wenn Sie nach England kommen, hoffe ich, daß Sie, indem Sie mich hier besuchen, sich überzeugen werden, daß sie nicht unpassirbar sind.
Falls Sie irgend eine Verbindung mit vr. Pesch el haben, bitte ich, ihm meinen amrichtigen Dank für sein Geschenk auszusprechen. Ich kann sehen, daß der Gegenstand äußerst interessant ist, aber die große Schwierigkeit, mit der ich Deutsch lese, ist ein nie endigender Kummer für mich.
Sie fragen nach meinem nächsten Buch; es handelt theils von der Abstammung des Menschen, hauptsächlich jedoch von der geschlechtlichen Zuchtwahl, welch' letztere, wie ich gefunden habe, ein sehr großes Gebiet umfaßt.
Ich vermuthe, daß ich spät im Herbst zu drucken ansangen werde, aber ich schreite sehr langsam vorwärts.
Mit herzlichem Dank für alle die Ehren, welche Sie aus mein Haupt gehäuft haben, verbleibe ich, mein werther Herr, Ihr aufrichtig ergebener
CH. Darwin.
?. 8. Ich bitte meine sehr sreundlichen Grüße meinem guten Freunde E. Haeckel Zu übermitteln.
Daß ich sagte, Darwin habe „in den schottischen Hochlanden" statt „in Schottland" gejagt und den zu seinem Landsitz in Down führenden Weg einen „schlechten, oft kaum fahrbaren" nannte, statt ihn einfach einen „schlechten" zu nennen, erklärt sich durch die Unbeständigkeit mündlicher Mittheilungen, welche nicht sogleich zu Papier gebracht werden. Ich glaubte, eine Tochter Darwin's in Bonn so verstanden zu haben und erwähne diese unbedeutenden Umstände hier nur, weil sie die Wahrheitsliebe Darwin's selbst in den kleinsten Einzelheiten aufs Neue darthun, eine Art Gewähr für die Richtigkeit der zahlreichen anderen Angaben bieten — es waren die einzigen Ungenauigkeiten der Skizze — und weil ein damals und später verbreitetes Gerücht durch die Berichtigung der zweiten widerlegt wird, als wenn Darwin absichtlich sich in eine Gegend zurückgezogen habe, wohin kaum fahrbare Wege führen, um nicht durch häufigen Besuch bei seinen Arbeiten gestört zu werden. Es ist längst bekannt, daß häufige Besuche ihm höchst erfreulich gewesen sind und er selbst, soweit sein Gesundheitszustand es erlaubte, der liebenswürdigste und gastfreiste Wirth war. Zusammen mit dem „Ausland" hatte ich auf Pesch el's Wunsch dessen eben erschienenes Buch „Neue Probleme der vergleichenden Erdkunde als Versuch einer Morphologie der Erdoberfläche" Darwin zugesandt. Wäre diese Schrift des eminenten Geographen in englischer Sprache erschienen, dann würde sie ohne Zweifel Darwin stark in Anspruch genommen haben. Er hat noch, als ich im August 1880 mit ihm in Cambridge eine Unterredung hatte, und von den Fortschritten des Darwinismus in Deutschland sprach, versichert, daß die große Schwierigkeit, mit der er deutsche Abhandlungen selbst lese, für ihn um so schmerzlicher sei, als allerdings in Deutschland die größte Anzahl von Originaluntersuchungen gerade auf den von ihm bevorzugten Gebieten im Gange sei, worüber er sich freute. Dieselben einzeln kennen zu lernen, blieb ihm aber in einem noch größeren Umfange versagt, als man in Deutschland annahm. Ich hatte von einigen der besten und bekanntesten Specialarbeiten gesprochen und war überrascht, daß er sie nicht einmal dem Namen nach kannte. Die Nachtheile, welche dem deutschen Naturforscher durch Uukenntniß des Englischen und Französischen einerseits, dem