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Deutsche Rundschau.
sowie einiger anderer zuverlässiger Nachrichten schrieb ich die erste biographisc Skizze. Dieselbe war im Frühjahr 1869 druckfertig, als Darwin sechzig Iah alt wurde und der Sturm sich legte, welchen er zehn Jahre vorher entfesff hatte. Schon begann hier und da die Anpassung auch orthodoxer Theologen, ! Bekehrung der Biologen und der Rückzug der leidenschaftlichsten Gegner.
Von dem lebhaften Wunsche erfüllt, richtige Angaben über Darwin's Leb und Arbeiten den Gebildetsten in Deutschland in knapper Darstellung nutz theilen — denn ich war entrüstet, damals aller Orten die ungerechtesten, ga unrichtigen und lieblosesten Urtheile über ihn, den mir zwar bis 1880 persönl unbekannten, aber hochverehrten, seinen sämmtlichen Gegnern weit üb> legenen Forscher, zu hören — sandte ich das Manuscript an die damalige leiter deutsche Monatsschrift. Ein sachwissenschaftliches Organ mußte für diesen Ai satz ausgeschlossen werden und die „Deutsche Rundschau" existirte zu jener Z noch nicht. Ich nahm an, daß jene Zeitschrift die kurze wesentlich sachliche Dl stellung trotz der starken auf ungenügender Kenntnißnahme beruhenden antidart nistischen Denkart in den Kreisen der oberen Zehntausend abdrucken würden war ja doch Darwin seit zwei Jahren einer der wenigen ausländischen Rit des preußischen Ordens xonr 1s inöriks. Aber ich hatte die Zeitschrift üb schätzt. Denn der damalige Herausgeber sandte mir das Manuscript mit ein höflichen Schreiben vom 26. April 1869 zurück. In diesem erklärte er, er v kenne nicht den Werth der Notizen, dieses Knochengerüst interessanter thatsä licher Angaben müsse aber für sein Publicum mit mehr biographischem Flei umgeben sein; eine Biographie Darwin's würde für seine Zeitschrift f geeignet sein, dagegen schiene ihm die Skizze mehr in ein gelehrtes Journ in ein naturwissenschaftliches Fachblatt, zu passen; es würde sich gewiß leicht solches finden lassen. Ein volles Jahrzehnt hatte also nicht genügt, so mu ich aus dieser Ablehnung schließen, das Vorurtheil gegen Darwin außerhalb Fachkreise zu beseitigen. Die Biographie eines Lebenden zu schreiben, lag eben wenig in meiner Absicht, wie das Vergraben der Skizze in einer Fachzeitschr Ich Wartete drei Vierteljahre und sandte dann das Manuscript an das „A land", dessen Herausgeber Oskar Peschel es zu Anfang 1870 sogleich s freundlich aufnahm. Es erschien aber, weil er Darwin's Bildniß im Holzschi beizugeben wünschte, erst am 2. April 1870, und ich erhielt durch einen Zu das Heft erst nach fünf Wochen. Daher Darwin's späte Antwort, we folgendermaßen lautet:
Down. Beckenham. Kent. 8. L 15. Mai 1870.
Mein werther Herr!
Ich erhielt vor zwei Tagen Ihren Aussatz, welcher mich in einem sehr hr Grade befriedigt hat. Jedes Wort, das Sie sagen, ist von dem denkbar freundlich Sinn eingegeben; aber Ihre Schätzung des Werthes meiner Arbeit würde, so für ich, Von den meisten Leuten als sehr viel zu hoch erachtet werden. Nichts so V ständiges oder, so weit es sich um Thatsachen handelt, so Wahres, ist bis jetzt i mich veröffentlicht worden. Es finden sich eine oder zwei sehr unbedeutende Ungenar leiten, nämlich in Betreff meines Schießens und Jagens in den Hochlanden, geben auch unseren Straßen oder vielmehr Feldwegen ein gar zu schlechtes Ansel