Heft 
(1894) 82
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Eduard Mörike.

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und warte auf meiner Hofmeisterstelle ein paar Jahre zu, und doch behaupte ich immer noch, daß meinem Gefühl im Ganzen das geistliche Fach theuer bleibt und künftig kein Pfahl im Fleisch fein wird. Vom Hofmeisterleben, als Zwischenzeit betrachtet, und wenn man es gut haben könne, spricht Herr Pfarrer unter den em- pfehlendsten Ausdrücken; ein junger Mensch von meiner Art werde darin große Vortheile finden und könne, wie gesagt, auf eine unerwartete Art seinem Glück auf diesem Umweg in die Hände laufen. Auch sehe er gerade in meiner Individualität, in welcher Onkel von Bernhanfen den Hauptknoten finden will, schlechterdings kein Hinderniß. Kurz, wir kamen ganz aufs Reine, und wenn diese gefährlich ein­geleitete Unterredung auch keinen Rußen weiter für mich haben könnte, so gewährt sie mir den hohen und erquickenden Trost, von einem ve rständigen, erfahrenen und liebevollen Manne ganz gekannt und vielleicht mehr als je geliebt zu sein. Wir gingen mit aufrichtiger Freundlichkeit auseinander, ich wie der Sohn von einem Vater weg. Indessen hat Alles seinen alten Gang nach wie vor ohne alle Ver­legenheit von beiden Seiten. Gestern leitete ich zum ersten Male wieder das Ge­spräch darauf; er hatte es offenbar vermieden, um sich nicht den Anschein einer Eilfertigkeit zu geben. Es war ihm nun lieb, daß sichs ihm selber darüber be­richtete, wie er sich wegen des etwaigen Termins zu richten habe. Er könne sich jetzt noch nach keinem neuen Menschen umsehen, er möge daran nicht denken. Ich versprach bei ihm zu bleiben, bis er wieder nach Wunsch besorgt sei. Dies freute ihn sichtbar, auch billigte er meinen Vorsatz, gegen Herrn Pfarrer in Bernhausen nichts und aus keine Weise etwas von jenen: Billet und seiner Empfindlichkeit ver­nehmen zu lassen. Uebergehe Du diesen Punkt auch, als wüßtest Du nichts davon!

So stehen denn die Sachen hier ganz, wie man's nur wünschen kann. Es wird mir noch in einem Vierteljahr frei stehen, ganz hier im Hause zu bleiben, und ich würde mit dieser Erklärung gewiß willkommen sein. Dies ist aber keines­wegs auch nur von ferne meine Absicht; vielmehr bitte und flehe ich Dich, nach Kräften für mich zu wirken. Ich sehe mit den peinlichsten Gefühlen einem jeden Predigttag entgegen; mein guter Pfarrer brauchte den Ausdruck, er könne sich Wohl vorstellen, daß der Sonntag schon am Mittwoch wie ein Gespenst vor mir stehen müsse. Ach! und meine Zwischenzeit ist alle verloren, ich verbrüte und versäure sie mir ungenützt. Wie wollt' ich meine Tage brauchen, meine Stunden küssen, wenn ich mich in meinem Element wüßte!

Eine Hauptsache ist noch zurück. Ich habe gegen meinen Herren Pfarrer den Einfall ausgesprochen, mit der Zeit Bibliothekar irgendwo zu werden. Er gab mir sehr Beifall. Dies wäre was für mich! Dem denke nach! Höre den Onkel in Bernhausen darüber! Abgesehen von diesen: Allen besuche doch während Deines Stuttgarter Aufenthaltes auch den Director Süskind! Deine mütterliche Miene hat ja einen bekannten Zauber beim Konsistorium.

Nun schließ' ich den unmäßigen Brief. Lebe wohl, beste, geliebte Mutter! Grüße meine lieben Verwandten!

Hier noch eine Beilage von Karl in Scheer. Der ist mit meinen Wünschen kurz fertig. So sollten Alle reden.

Dein treuer Eduard.

17. An Mährten.

Köngen, den 24. September 1827. Liebster Bruder!

Deinen Brief Hab' ich am Samstag erhalten. Du hast ja nach allen Seiten der Welt Netze ausgehangen, aber ich komme ganz in Hitze, wenn ich am Schluß des Briefes wieder Deine gutmüthige resignirende Miene zum theologischen Braten-