alten Lieblingssatze von der Überlegenheit der Weltkinder nach. «Es ist ein eigen Ding mit der Frömmigkeit; es sind doch nur wenige, die sie vertragen können, und in diesem Nichts-sein- und Nichts-bedeuten-Wollen leichtsinnb gen Gottvertrauns steckt eigentlich Besseres als in der Sicherheit und dem Anspruch derer, die sicher sind, für ihren Gott was getan zu haben. Diese Mädchen ... wie graziös und eigentlich wie bescheiden, und der entzückende Kerl, der Rybinski ...» (Kap. 12.) - ,Heute rot und morgen tot“. Daß sie auch grade so was schreiben mußte . .. Hugo gefällt mir nicht, und der Doktor mit seinem .Einigermaßen“ hat mir auch nicht gefallen. Ich möchte ihn nicht gern verlieren. Er ist so gut und hat mir eine Stellung gegeben. Denn wenn ich es auch gemacht habe, wenn er nicht da war, so ging es nicht. Ich möchte ihn nicht gern verlieren. Aber sonderbar, alles hat doch so seine zwei Seiten, und wenn ich so den Platz und die drei Scharren sehe, jetzt kuckt sich der Provisor im Spiegel [an] und findt sich hübsch, da weiß ich doch nich, ob es nicht hübscher war, wenn ich nach der Stadtbahn rübersah und wenn Bolle durch die Straßen klingelte . . . Nun, Mutter hat ja auch geschrieben: ,Der Mensch denkt, u[nd] Gott lenkt“, sie hat immer solche neuen Sätze. Aber richtig is es, und ich muß es abwarten, wie Gott lenkt.» (Kap. 15.) - ... wenn du ihn einbuschen könntest. Freilich, Rechnungsrats schlafen grade unter uns, und die würden wohl raufschicken und sagen, wir sollten nicht so viel hin u[nd] her wiegen, denn die denken, drei Treppen hoch ist so gut wie gar nichts.» - « So ist es, Thilde. Arme Leute . . . » - «... müssen sich alles versagen »-«... Un sollen nich mal huschen. Ach, die Menschheit ist zu schlecht, und ich erleb es auch nicht mehr. » (Kap. 17.) - Rebecca hat sich verheiratet (Kap. 17).
Diese wenigen Beispiele zeigen, daß der bisher veröffentlichte Text von « Mathilde Möhring » philologisch nicht länger zu verantworten ist und daß von einer angeblich « leichten Nachbesserung» nicht die Rede sein kann, sondern von einer Bearbeitung gesprochen werden muß. Unserer Ausgabe liegt daher erstmals wieder das Manuskript des Werkes zugrunde, das sich heute im Theodor-Fontane-Archiv der Deutschen Staatsbibliothek in Potsdam befindet.
Das Manuskript umfaßt 267 beschriebene Blätter im Format 21,2 mal 33,2 cm; die Seiten sind mit Bleistift von fremder Hand paginiert. In großem Umfang hat der Dichter Manuskriptseiten früherer Arbeiten wieder verwendet, so daß sich neben vielerlei anderen Texten ältere Niederschrift zu « Unwiederbringlich », «Frau Jenny Treibei», «Auf der Suche» und verschiedenen Gedichten hier erhalten haben. Das Manuskript ist durchgängig mit Tinte geschrieben und vielfach, zum Teil mit Blau- und Bleistift, korrigiert.
Die Handschrift enthält 17 Kapitel; diese liegen in Papierumschlägen, auf deren Vorderseite Fontane zunächst mit Blaustift, später mit Tinte das jeweilige Kapitel vermerkt hat. Die Kapitelangabe steht überdies vor dem Textbeginn jedes Kapitels. Nur für das erste Kapitel fehlt der Umschlag