Der erste Katarakt.
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englischen Generals Grenfell durch den Major des britischen Geniekorps Plunkett in größerem Maßstabe fortgeführt wurden und zur Eröffnung von einigen zwanzig Gräbern führten. Diese sind in den dem Nil zugewandten Abhang eines die Stadt Afwän (nordwestlich) überragenden Berges gehöhlt, und es führt zu ihnen eine, wie es scheint, in späterer Zeit angelegte Treppe. Sie selbst haben den Nomarchen des Gaues oder doch großen Herren angehört, die zum Theil mit dem Pharao verwandt, hier als hohe Beamte den König vertraten. Die frühesten stammen schon aus der Zeit der sechsten Dynastie und beweisen, daß die zu Memphis residierenden Phramidenerbauer ihre Herrschaft bis zum ersten Katarakt, Syene und Elephantine ausdehnten. Das interessanteste ist Wohl das des Serenptu, der außer anderen weltlichen Würden die des ersten Propheten der Sati, der Herrin von Elephantine, bekleidete, und der in einer Inschrift die an seinem Grab stromab oder stromauf Vorbeifahrenden ersucht, für ihn zu beten. Daraus scheint zugleich hervorzugehen, daß auch zur Zeit dieses großen Herrn der Katarakt zu Schiffe passirbar war.
Die Steinbrüche von Aswan liegen nördlich und südöstlich von der Stadt, und es läßt sich auf ihrem Gebiet heute noch erkennen, wie vorsichtig, sparsam und geschickt man hier Werkstücke von größtem Umfange von den Felsen löste. Man denke, daß man große Obelisken erst von ihrem Gehänge trennte, nachdem man sie aus drei Seiten bearbeitet und sogar schon das Pyramidion an der Spitze angelegt hatte. Wo die Ablösung erfolgen sollte, schnitt man eine Rinne in den Granit und bohrte Löcher in verhältnißmäßig kurzen Abständen hinein. In diese scheint man dann, Wie schon die Gelehrten der französischen Expedition Wohl mit Recht vermutheten, nasse Holzkeile getrieben zu haben, die man feucht erhielt, und durch deren Anschwellen der Obelisk wie von selbst in einer glatten Trennungsfläche von dem Felsen gelöst wurde. Diese Annahme wird durch die Löcher unterstützt, welche sich heute noch in den Brüchen finden. An einem der südöstlich von der Stadt gelegenen Granitkämme hängt noch ein auf drei Seiten bearbeiteter 28 Meter langer Obelisk. Die größten schon hier behauenen Blöcke hatten einen erstaunlichen Umfang und wurden wahrscheinlich während der Ueberschwemmungszeit auf Flößen bis in das nördliche Delta geschafft. Wie viele Menschenkrüfte waren nöthig, um einen Koloß wie den Ramses' II. im Ramaffeum, ohne ihn zu beschädigen, den Weg nach Theben zurücklegen zu lassen! Der Transport des Kolosses eines Oberpriesters und Gaufürsten Kai findet sich in einem Grabe des Schech Said Berges zu el-Bersche abgebildet. Diese Statue war 13 Meter hoch, und man hatte sie auf ein schlittenartiges Gestell gesetzt, das an vier Seiten von 4 mal 43. im Ganzen von 172 Arbeitern gezogen wurde. Damit die Taue den polirten Stein nicht verletzten, waren zwischen ihm und der Bildsäule Unterlagen angebracht, und man goß Wasser ans den Weg, damit sich bei der Fortschaffung des schwerbelasteten Holzgestelles sein unterer Theil nicht entzünde. Die Ziehenden sind „die junge Mannschaft" des Gaues, die ihre Arbeit singend verrichtet. Aus den Knieen des Kolosses steht ein Mann, der in die Hände klatschend den Takt dazu schlägt. Der das Bild begleitende Text berechtigte uns zu der an einer anderen Stelle begründeten Bemerkung, daß es dem Volke zur Freude gereicht zu haben scheint, bei der Errichtung eines