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Deutsche Rundschau.
solchen Werkes von ewiger Dauer mitzuwirken. Jedenfalls athmet die erwähnte Inschrift heitere Zufriedenheit; wir hören ihren Verfasser rühmen, wie sich beim Transport der Jüngling dem Greife zur Stütze dargeboten, wie der Starke dem Schwachen geholfen und durch dies einige Zusammenwirken sich des Einzelnen Kraft vertausendfältigt habe. Sie berichtet auch, daß der Nomarch und seine Kinder in festlichem Schmuck dieser Arbeit beigewohnt hätten, und wir hören bei der Ankunft des Kolosses in der Stadt, die Loblieder der Bewohner des Gaues erschallen. Freilich sehen wir auch bei diesem Transport Stöcke in der Hand der Aufseher, und vielleicht betheiligten sich die Fellachen und Hörigen unter den Königen der zwölften Dynastie, die noch zu den Pyramidenbauern gehörten, und unter deren Regierung der erwähnte Transport stattsand, nicht ungern an der Fortbewegung solcher Lasten, weil sie ihnen als etwas Verdienstliches dargestellt wurde und die Kraft der Hörigen bei der Alltagsarbeit hinter dem Pflug oder beim Bau noch weit schonungsloser ausgenutzt wurde.
Der beiden größten Monolithe, die noch dazu ins nördliche Delta trans- portirt werden mußten, erwähnt Herodot. Der eine, den er im Tempel von Buto Wohl als Sanctuarium sah, welches wir uns wie das von Edfu als einen riesigen, schön behauenen Granitblock zu denken haben, in den man eine Kammer meißelte, war ein Würfel, der an Höhe und Länge vierzig Ellen maß, und der als Decke einen einzelnen Stein trug, dessen Wölbung sich vier Ellen hoch hob. Der andere erweckte die Bewunderung des Halikarnassiers in noch lebhafterer Weise. Er war zum gleichen Zweck wie der von Buto aus der Gegend von Elephantine zum Tempel der Athene (Neith) von Sais gebracht worden, und obgleich die Masse, welche Herodot angibt, hinter denen des erstgenannten Monolithes weit zurückstehen, sollen doch 2000 Mann drei Jahre lang gebraucht haben, um ihn vom Katarakt aus an sein Ziel zu befördern. Die colossale grüne Kapelle, die sich lange unter den Trümmern von Memphis erhielt und erst in der Mitte des 15. Jahrhunderts von einem Mamluken-Emir zerschlagen wurde, kann ihrer Farbe wegen nicht aus der Kataraktengegend gekommen sein. Der dort anstehende Granit ist ja nur an den schmalen Dioritstreifen, die ihn durchziehen, grün zu nennen. Sonst hält er sich zwischen rothbraun und rosa, und der Umstand, daß sich in ihn Helle Krystalle, graue und schwarze Bestand- theile mischen, veranlaßte in einer Zeit, die in Allem, was aus Aegypten stammte, eine symbolische Bedeutung suchte, den Verfasser der „umständlichen Beschreibung von Africa", den alten Döpper, auch darin eine solche zu erkennen; „denn" (wir citiren ihn nach Schneider) „die blinkend rothe Grundfarbe sollte ohne Zweifel (sie) das Feuer oder die feurige Kraft und Gestalt der Sonne, die krystallhellen Fleckchen die Luft, die aschblauen das Wasser und die schwarzen die Erde bezeichnen". So würde also der Granit vom ersten Katarakt als Versinnbildlichung der vier Elemente besonders hoch geschätzt worden sein; doch hat sicherlich kein alter Aegypter an diese Deutung gedacht, die auf einem dem braven Döpper ureigenen Einsall beruht. Das „dem Auge Wohlgefällige" der rothen Farbe des Granites von Syene führte ebenso wenig, so oft dies auch ausgesprochen wurde, zu seinem häufigen Gebrauch; man wandte ihn vielmehr trotz ihrer auch bei religiösen Bauten an; denn das Roth war die Farbe des verhaßten Seth Typhon und „roth" wird geradezu für „schlecht" gebraucht. Im