Der erste Katarakt.
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Die erste stammt aus dem alten Reiche und ward unter den Auspicien des Königs Usertesen III. (zwölfte Dynastie) hergestellt. Dieser Pharao ist dargestellt, wie er das Zeichen des Lebens von der oben erwähnten Kataraktengöttin Sati in Empfang nimmt i); die Inschrift aber, welche fein Bild begleitet, lautet in worttreuer Uebersetzuug:
„Im Jahre 8 unter Sr. Majestät dem Könige von Ober- und Unter-Aegypten Usertesen III., dem ewig lebenden, befahl Seine Majestät anzulegen (är) einen neuen Canal. Der Name dieses Canals sollte sein „der beste der Wege üser- tesen III. des ewig lebenden". Darauf zog Seine Majestät fort, stromaufwärts fahrend, um zu Fall zu bringen das erbärmliche Aethiopien (Lu8eüeli68-t).
Länge dieses Canales 150 Ellen,
Breite - - 20 -
Tiefe - - 15 - "
Die zweite Inschrift, über der die Königsschildcr Thutmosis I. (achtzehnte Dynastie) angebracht sind, lautet:
„Im Jahre 3 am 22. Pachon (17. April des julianischen Jahres) durchfuhr Seine Majestät diesen Canal blühend (?) und mächtig, als er auf dem Wege war zu Fall zu bringen das erbärmliche Aethiopien (I<u8eüeü68-t)."
Die dritte Inschrift ließ Thutmosis III., der größte Pharao der achtzehnten Dynastie und vielleicht aller Könige von Aegypten, Herstellen, und sie lautet:
„Im Jahre 50 am 22. Pachon H (17. April) unter Seiner Majestät dem Könige von Ober- und Unter-Aegypten Thutmosis III. befahl Seine Majestät auszuschneiden diesen Canal, nachdem er ihn derartig mit Steinen verstopft gefunden hatte, daß kein Schiff (äbt) auf ihm fahren konnte. Er aber (der König) fuhr auf ihm stromaufwärts, und das Herz wurde ihm weit (vor Lust) niederzumachen seine Feinde. Der Name dieses Canals: „Schön ist die Oeffnung des Weges Thutmosis III. des Ewiglebenden". Was die Fischer von Elephantine angeht, so sollen sie den Zoll dieses Canals einkassiren jedes Jahr"^).
Da der Wiener Astronom Mahler jüngst auf Grund gewisser Monddaten, deren chronologische Verwendbarkeit H. Brugsch zuerst erkannte, die Regierungszeit Thutmosis' III., deren Dauer wir durch die von dem Schreiber dieser Zeilen entdeckte Inschrift des Amenem-Heb genau kennen, bis auf den Tag bestimmte, läßt sich die hier erwähnte Wiederherstellung des Kataraktencanals sicher in den April des Jahres 1453 v. Chr. verlegen. Sie wurde verständiger Weise während eines niedrigeren Wasserstandes vorgenommen, und was vor dreitausend Jahren den Baumeistern, Steinmetzen und arbeitenden Sklaven von Elephantine und Syene möglich war, das ist ein Kinderspiel für unsere Ingenieure. Ist der erste Katarakt schiffbar gemacht, werden die anderen dann Wohl auch in nicht zu ferner Zeit folgen.
0 Derselbe unter Utersen III. angelegte Canal war übrigens auch der Anukis geweiht, wie die Inschrift Lepsius Denkmäler III, 186b lehrt.
2) Die zweite und dritte Inschrift geben das gleiche Datum in sehr verschiedenen Jahren; es scheint also am 22. Pachon ein Fest gefeiert worden zu sein, bei dem man gern den Katarakt überschritt.
2) Das „8obä" in der letzten Zeile ist nicht ausschneiden oder ähnlich zu übersetzen, sondern nach mehrfachen Analogien „dm Zoll einnehmen", „einkassiren".