Heft 
(1891) 67
Seite
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Deutsche Rundschau.

Wie heimisch er sich in Hamburg fühle. Doch wenn er die Unabhängigkeit der Hansestädte befürwortete, fo war er gleichwohl fern von besonderer Parteilichkeit für Hamburg; er war es so sehr, daß man aus seinen Berichten eher eine Vor­liebe für Bremen, sogar auf Kosten Hamburgs, herauslesen konnte. Allein jetzt rückte die Entscheidung über das endliche Schicksal der Städte näher. Reinhard war mit ihrem Verhalten noch immer wenig zufrieden.Die Städte spielen mit der Zeit," schrieb er am 3. Februar an K. E- Oelsner in Paris,nach und nach fühlt man den Sporn der Nothwendigkeit zu handeln; allein ich fürchte, die ersten falschen Schritte, die schon gethan sind, feien kaum wieder gut zu machen. Nun ich abreise, hat man mir endlich ein Wörtchen gesagt. Ich will gern noch handeln, wenn es nicht zu spät ist."

Es gelang Reinhard noch, die Städte zur Einreichung einer Denkschrift zu vereinigen, welche die Wünsche für die Sicherung ihrer Neutralität und ihrer Reichsunmittelbarkeit, sowie ihre anderen Forderungen zusammenfaßte. Allein schon richteten sich begehrliche Blicke auf die Reichthümer der Städte. Die Ver­wendung für sie auf dem Rastatter Congreß machte die Republik jetzt von dem Abschluß eines für die französische Staatskasse vorteilhaften Geldgeschäftes ab­hängig: sie sollten baar Geld geben gegen batavische Schuldscheine, ein An­sinnen, gegen das sie sich lange sträubten, zuletzt ohne Erfolg. Im Januar er­schien unerwartet ein Jakobiner, Bourdon, als Commissär der Republik mit ge­heimen Aufträgen. Worin diese bestanden, ist nicht genau bekannt; aber jeden­falls waren es Aufträge, die man Reinhard nicht zumuthete. Kurz, bei den Plänen, die hinsichtlich der Städte erwogen wurden, war man in Paris der Ansicht, daß in Hamburg nicht länger ein Vertreter der Republik am Platze sei, der durch seine Heirath in enge Verbindung mit den ersten Familien der Stadt gerathen war.

Die Abreise zog sich noch bis in die zweite Hälfte des Februar hinaus. Mit welchen Empfindungen man der bevorstehenden Trennung entgegensah, er­sehen wir aus den Briefen, die in dieser Zeit noch zwischen Reinhard uud Hennings gewechselt wurden. Der letztere schrieb am 3. Januar 1798:Ihre Versetzung, lieber Bruder, ist ein herber Verlust für Ihre Freunde, wenn man gleich Ihnen dazu Glück wünschen muß. Selbst Ihre Entfernung von Ham­burg wird vielleicht durch das, was die künftigen Zeiten herbeiführen werden, eine Wohlthat für Sie. In Florenz werden die Künste Ihnen manche an­genehme Unterhaltung gewähren. Vergessen Sie dabei einen alten Verehrer derselben nicht und theilen mir mit, was Ihr Reichthum Ueberflüssiges hat." Reinhard schrieb am 8. Pluviose (31. Januar), sein Aufenthalt werde kaum noch vierzehn Tage dauern; er erwarte jeden Tag seine Abberufungsschreiben, und sobald sie in seinen Händen seien, habe er keinen Vorwand mehr, den Nachfolger abzuwarten.Daß meine gute Christine mit banger Wehmuth dem Tag der langen, weiten Trennung entgegen sehe, werden Sie glauben. Die Mutter faßt sich zusammen; wie sie in der letzten Scene Probe halten werde, wag' ich nicht vorauszufehen. Auch unsere Reiseroute ist nun entschieden. Wir gehen über Paris, wo meine Instructionen mich erwarten. Die Jahreszeit ist hart; aber in den Gefilden Italiens werden wir mit dem kommenden Frühling einziehen."