Heft 
(1891) 67
Seite
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Deutsche Rundschau.

strebend nach langen Streitigkeiten erst 1878 Darwin zum correspondirent Mitglieds ihrerbotanischen" Section erwählte. Sogar die Britische Regieru stellte er in Schatten; denn diese hat Darwin keine einzige Ehre zu seinen O Zeiten erwiesen. Als er aber gestorben war, ertönte sogleich in ganz Gre britannien überall gleichzeitig der Rus, die letzte Ruhestätte müsse ihm unter t Heroen seines Landes in der Weftminster-Abtei bereitet werden. Das Organ ! öffentlichen Meinung in England, dieTimes", stellte damals interessante 8 Pachtungen darüber an. An hervorragender Stelle heißt es unter Anderem:

Nach Westminster!" hört man jedesmal, wenn ein sehr berühmter Englän stirbt. Sei er ein Dichter oder Staatsmann, sei er ein Gelehrter oder Feldherr, se Bewunderer vergleichen ihn mit den großen Todten zu Westminster und bestehen daro daß seine Leistungen denen Jener gleichkommen. Eine Beisetzung daselbst ist säst einem Maße der großen Thaten großer Männer geworden. Manchmal ist aber ) Verlangen nach ihr weniger ein Abschluß der im Leben erwiesenen Ehrungen, als Zeichen von Reue über die Spärlichkeit der letzteren. Eine Generation bezeugt dc ihre verspätete Entdeckung, daß sie einen Propheten in ihrer Mitte hatte, durch sell anklägerischen Glanz der Beisetznngsseierlichkeiten. Denn die Massen wünschen zu W minster die irdischen Reste eines Lieblingshelden in einem ähnlichen Gesühl zu bewah wie in einer katholischen Kirche die Reliquien eines Heiligen. Dem Jnstinet des Bol ist der Tod nicht völliger Tod, wenn der Körper des Genies oder Kriegers im nationa Sanctuarium ausgebahrt wird. Als Darwin starb, waren aber solche Beweggrü weniger maßgebend. Seine Jünger wußten, daß sie einen Vergleich nicht erst fordern, seinen Ruhm nicht zu verkünden brauchten, da alle Länder der Erde in sei Lobpreisung einig waren. Es hatte freilich eine Zeit gegeben, da Gegner, auch Geg von Schlüssen, die sie selbst aus seinen leidenschaftslosen Sammlungen von Thatsal zogen, seinen vorzeitigen Tod als einen Anreiz empfunden haben würden, grnndl Angriffe durch eine pompöse Beerdigung zu compensiren.

Jene Zeit war abernicht längst vorüber", wie der Englische Nekro ein Wenig beschönigend sagt. Darwin und seine Lehren hatten zwar säst c persönlichen Anfeindungen schließlich überdauert, die Verehrung seiner Pers lichkeit aber wuchs langsam; sie wuchs in dem Maße, wie seine ihn mißt stehenden Verächter, einer nach dem anderen, schwiegen, ohne daß er jemals a nur einen mit einem Worte einer Antwort gewürdigt hätte. An diese V ehrung will die Britische Nation durch das Grab in ihrem Campo Sa erinnert sein. Der einfache Stein neben dem, welcher den Namen Jo Herschel trägt, nahe dem Newton geweihten Denkmal, ist ein Denkstein Erinnerung an Darwin's Leben nicht weniger, sondern vielleicht mehr, als seine Werke. Seine Laufbahn bietet der Neugier so wenig wie der Feindseligk Er beobachtete und dachte, und seine Gedanken sind substanciirt wesenhaft blieben, nicht seine Erlebnisse. Die Epheuranke, der Wurm in der Erde ebe wie die steilen Gipfel der Kordilleren und die oceanischen Koralleninseln i wiederum auch das Mienenspiel des Kindes und des Mannes sind Träger sei Ideen, sprechen zum Forscher in seiner Sprache. Im Voraus ist schon de wissenschaftliche Untersuchung gleichsam mit dem Stempel seiner genetischen 8 thode versehen. Alle Biologen huldigen ihm. Eher verwittern seine Monunm als seine Methode vergessen wird.