Heft 
(1891) 67
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Briefe von Darwin.

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Dennoch hat es Viele befremdet, daß Darwin in der Westminster-Abtei beerdigt wurde. Mancher gönnte ihm nicht die allerdings überaus feierliche Beisetzung, und warum nicht? Die Mehrheit kann wahre Größe nicht ver­stehen, so lange sie ihr ganz nahe ist. Am Fuße des Bergriesen sieht man nicht, wie hoch die Spitze emporragt über die Nachbarspitzen. Erst in der Ent­fernung und von diesen aus zeigt sich der Unterschied deutlich.

Aber die, welche Darwin das letzte Geleit gaben, großentheils selbst Kory­phäen und einzelne von ihnen ihm congenial, hatten seinen Werth erkannt. Einige mögen hier namhaft gemacht sein, damit Anhänger wie Gegner erfahren, wer sich zu seinen Freunden und Verehrern zählte und öffentlich der Achtung vor ihm Ausdruck gab.

Das Leichentuch hielten während der Proeession der Herzog von Devonshire, der Herzog von Arghll, der Earl von Derby, der amerikanische Gesandte I. Ruffel Lowell, der Vorsitzende der Royal Society Spottiswoode, der große Botaniker Sir Joseph Hooker, der Mitentdecker Alfred Russell Wallace, der große Biologe Thomas Huxley, Sir John Lubbock und der Domprediger Farrar. Zugegen waren bei der Einsegnung unter vielen anderen angesehenen Persönlichkeiten: der jetzige Ministerpräsident Marquis von Salisbury,, Lord Aberdeen, Sir Charles Dille, Lord Kensington, Sir Stafford Northcote, Lord Arthur Russell, Professor Max Müller, Sir William Thomson, Herbert Spencer, der Sprecher des Unterhauses Childers, Sir Henry Holland, W. C. H. Lecky, E. B. Tylor, Francis Galton, Allen Thomson, Lord Spencer als Ver­treter der Ministerien, Viscount Sherbrooke, Sir William Jenner, vr. Siemens, Sir William Gull, der Lord-Mayor von London, außerdem sehr viele Parlamentsmitglieder, Professoren und Diplomaten. Die Botschaften, bezüglich Gesandtschaften von Deutsch­land, Amerika, Italien, Frankreich, Rußland und Spanien waren vertreten, desgleichen hatten die Universitäten von Cambridge, Oxford, Aberdeen, Glasgow, Edinburg, St. Andrews und Dublin ihre Abgeordneten entsendet, die ersten wissenschaftlichen Körperschaften ihre Vorstände.

Ehe ein solches Leichenbegängniß wiederkehrt, wo freiwillig Herzöge, Peers, Naturforscher, Parlamentarier, Hofprediger, Gesandte und Staatsbeamte ersten Ranges einem bescheidenen Privatmann die letzten Ehren erweisen, kann Wohl ein Jahrhundert vergehen. Jeder fühlte, daß der Todte der Fürst war, welcher mehr Menschen sich durch seines Geistes Siege unterwarf und die Denkweise der künftigen Generationen mehr bestimmte, als irgend ein Anderer.

Namentlich die ihn, so lange er lebte, in kurzsichtiger Verblendung unver­ständig und unwürdig heftig angegriffen hatten, die englischen Geistlichen, wett­eiferten schon wenige Tage nach seinem Tode, seinen edeln Charakter von der Kanzel aus zu rühmen und suchten seine Weltanschauung mit den alten über­lieferten Lehren in Einklang zu bringen.

Es ist bezeichnend, daß an der Spitze des ComiWs, welches die Errichtung des im Kensington-Museum befindlichen Denkmals, die Herstellung des Bronze- Medaillons in der Westminster-Kirche und die von der Royal Society verwal­tete Darwin-Stiftung veranlaßte, neben dem Herzog von Albany, den Bot­schaftern von Deutschland, Italien und Frankreich, dem Amerikanischen, sowie dem Schwedischen Gesandten, der Erzbischof von Pork, der Bischof von London, die Decane von Westminster, von St. Paul und von der Christchurch standen.