Heft 
(1891) 67
Seite
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Briefe von Darwin.

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floss beim Einathmen aufnehmenden, bei allen physiologisch völlig überein­stimmenden, rothen Blutfarbstoffs in jeder einzelnen Thierart begreiflicherweise um so mehr, als sie zunächst feiner Theorie von der Veränderlichkeit der Species nach einer bis dahin nicht berücksichtigten Richtung zu widersprechen schien. In einem Buchelieber die Blutkrystalle" (1871) habe ich die Wichtigkeit der That- fache hervorgehoben und die constanten Ungleichheiten der Blutkrystalle von etwa einem halben Hundert verschiedener Thierarten aus allen Wirbelthierclassen zu­sammengestellt.

Ebenso interessirte sich Darwin für die nach der Thierart, und innerhalb derselben nach der Individualität, verschiedene Wirkung kleinster Gistmengen. Ich hatte eine große Anzahl von Thieren aus den verschiedensten Abtheilungen, auch Käfer und für immun gehaltene, namentlich Igel, mit Blausäure vergiftet, um ihre Wirkung zu verstehen und ein Gegengift zu finden, und die nach der Art, dem Alter, Geschlecht u. s° w. ungleichen physikalischen Wirkungen des für alle schon in verhältnißmäßig kleinen Mengen tödtlichen Giftes in einer be­sonderen Schrift über die Blausäure in physiologischer Hinsicht (1868) beschrieben. Dabei zeigte sich im Allgemeinen, daß ein Thier um so leichter asficirt wird, je größer sein Sauerstoffbedürsniß ist. Da dieses wiederum nicht allein mit der Eigenwärme, sondern auch individuell variirt, überhaupt von vielen Factoren abhängt, so ist die ungleiche, sogar wechselnde Empfindlichkeit verschiedener Indi­viduen derselben Species einschließlich des Menschen gegen Gifte, wie Blausäure, viel weniger ihren morphologischen, als ihren physiologischen Eigen­tümlichkeiten, also der Beschaffenheit ihres Protoplasma, zuzuschreiben und das von mir empfohlene Gegenmittel, künstliche Sauerstoffeinathmung, wenn auch das sicherste, doch ungleich schnell wirkend.

Das im vorhergehenden Briese erwähnte Buch Darwin's über die Ab­stammung des Menschen und die sexuale Zuchtwahl, veranlaßte mich, ihm einiges Bedauern über die Vereinigung dieser zwei wenig mit einander zusammen­hängenden Probleme (noch dazu in einem zweibändigen Werke) zu schreiben, ohne zu wissen, daß Wallace ihm denselben Einwand machte. Der Uebelstand war um so größer, als man das Buch über die Herkunft des Menschen mit Spannung erwartet hatte und nun die Aufmerksamkeit auf die Sexual-Selection abgelenkt wurde. Die Vertheilung der beiden Gegenstände aus je einen Band hätte jedem von beiden nur förderlich sein können. Nicht nur stehen beide, äußerlich verbundene Bücher, bei Weitem nicht auf der Höhe des grundlegenden Werkes vom November 1859, es hat auch die Zusammenfassung beider in eins die gründlichere Durch­arbeitung jedes einzelnen Abschnittes wesentlich beeinträchtigt. Darwin selbst schrieb darüber:

Down. Beckenham. Kent. 8. bl.

(30. April 1871.)

Mein weither Herr!

Ich bin Ihnen sehr verbunden für Ihren außerordentlich freundlichen Brief. Erlauben Sie mir zu bemerken, daß, als ich ein Verzeichniß derjenigen auffetzte, an welche meine Abstammung des Menschen zu senden war, ich gänzlich Ihren Namen, sowie den von zwei oder drei Anderen vergaß, bezüglich derer ich jetzt außerordentlich bedauere, daß mein Gedächtniß mir versagte. Wenn Sie kein Exemplar besitzen, wollen