Heft 
(1891) 67
Seite
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Deutsche Rundschau.

Sie sich bemühen, mich zu benachrichtigen, so werde ich sosort eins senden. Wallachs Vorschlag, welchen Sie auch machen, in Betreff der Abtrennung der geschlechtlicher Zuchtwahl, ist ein sehr guter, und ich bemerkte zur Zeit den Nachtheil der gegen­wärtigen Vereinigung, wußte jedoch nicht, wie ich ihn vermeiden könnte. Um da- Nebel zu heilen, wäre jetzt mehr Zeit nöthig als es Werth ist.

Ich bin Ihnen sehr verbunden sür das versprochene Geschenk des Werkes über di; Blutkrhstalle, und wollen Sie im Voraus sehr aufrichtig Professor Müller für seir beabsichtigtes Geschenk danken. Es ist ein nie endigendes Leidwesen für mich, daß ick Deutsch so schlecht lese, aber ich bin jetzt zu alt und habe eine zu armselige Anlag> sür Sprachen, um mich zu bessern.

Ich werde mich besonders freuen, Ihre Abhandlung über das äußere Ohr zr sehen, da dieselbe sehr nützlich sür irgend eine spätere, verbesserte Auslage meines Buche; sein wird. Ich war vollkommen unkundig der unerklärlichen Thatsache des Mangel; des Ohrläppchens bei Negern. Hat nicht der Igel Ohren, welche denen des Menscher in der Form sehr ähneln? Es wurde mir kürzlich so berichtet, doch hatte ich kein Gelegenheit, einen anzusehen. In Betreff des Meerschweinchens hätte ich sagen müssen daß einst in Deutschland eine Zucht mit herabhängenden Ohren existirte, denn obwoh ich der Quelle dafür mich nicht erinnern kann, fühle ich mich sicher, daß sie zu Verlässig war.

Ich bleibe, mein wertster Herr, Ihr sehr aufrichtig ergebener

Charles Darwin.

Die Besprechung in denTimes" hat mich nicht im geringsten afficirt, denn si war offenbar nicht von einem wissenschaftlichen Mann verfaßt; ich weiß nicht, we der Verfasser war.

Bezüglich der von dem Jenaer Professor der allgemeinen Pathologie un pathologischen Anatomie Wilhelm Müller damals ausgeführten wichtige; Untersuchungen zur Entwickelung gewisser Hirntheile und der Schilddrüse, welch in der JenaischenZeitschrift für Medicin und Naturwissenschaft" 1871 ei schienen und von denen einige Darwin, zusammen mit meiner Schrift über d Blutkrystalle, damals zugeschickt wurden, wiederholt sich die Bemerkung, das abgesehen von zwei vorher markirten Anmerkungen, Darwin wegen der sprach lichen Schwierigkeiten nicht von ihrem Inhalte Kenntniß genommen hat.

In Betreff meiner, die menschliche Ohrmuschel betreffenden Beobachtung und Versuche, von denen hier die Rede ist, kann ich nur nach der Erinneruv berichten, da mir das Material bald darauf abhanden kam, und ich über diese GegenstandDie Form und Function der menschlichen Ohrmuschel" nur eine Vortrag in der Jenaischen Gesellschaft sür Medicin und Naturwissenschaft g halten habe, welcher nicht protocollirt wurde.

Unter Hinweis auf die ganze morphologische Beschaffenheit, die quergestreift; Muskeln in und an der Muschel, welche sich zum Theil niemals zufammenziehe während sie bei vielen Säugethieren eine große Beweglichkeit besitzen und sehr zahlrei sind, ferner auf die außerordentliche individuelle Verschiedenheit und das häufige Fehl; des Ohrläppchens bei Negern und Weißen, hatte ich behauptet es wird 18t gewesen sein daß die menschliche Ohrmuschel ein in der Rückbildung begriffene also ein rudimentäres Gebilde ist; dafür spricht auch die von Darwin als umgeklapp Spitze gedeutete und als rudimentärer Punkt bezeichnte Stelle am oberen Rande, a welche der Bildhauer Woolner ihn aufmerksam machte. Ich hatte diese bei einzeln Individuen ungewöhnlich groß und links und rechts meistens ungleich gefunden. L Manchen fehlt die Hervorragung am einen Ohr, während sie am anderen sehr cn füllt, wogegen ich immer bei hochbegabten Musikern und Sängerinnen das gänzln