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Deutsche Rundschau.
hört hat, wie sie Tacitus und Plinius hörten. Er findet für ihn in seinen G> dichten Worte des höchsten Lobes und neidloser Anerkennung. Die sachmäßi, Beschäftigung mit der Beredsamkeit, der rhetorische Unterricht, hatte einzelne ihrer Vertreter sogar schon einmal zum höchsten Amt, zum Consulat, verholsei Der Grammatiker Palaemon, ein Mann unfreier Herkunft, ursprünglich Webe hatte es in seiner Kunst zu höchstem Ansehen gebracht und daneben zu Reichthun der es ihm ermöglichte, ein ausschweifendes und sittenloses Leben zu führen. Dl Geschichtschreibung Weiß Juvenal keine großen Erfolge nachzurühmen. Allein i allen diesen Bestrebungen hat ihn, trotz jahrelangen Bemühens, das Glück offer bar nicht begünstigt. Martial, mit welchem den Juvenal, trotz des Altersuntei schiedes, gleiche Neigungen und Studien in nahe Verbindung gebracht hattei richtet von dem spanischen Bilbilis aus, wohin er im Jahr 98 zurückgekehi war, ein Epigramm an den Juvenal und beklagt ihn, daß er seine Tage i Rom mit den mühseligen Besuchen in den Vorsälen der Mächtigen hinbring Die Thatsache, daß es dem Juvenal nicht gelungen ist, in jene höhere Lausbah des ritterlichen Standes zu gelangen, steht fest; ihre Gründe entziehen sich durä aus unserer Kenntniß, und cs gibt keinen Anhalt dafür, sie auch nur zu vermuthei Diese ungünstige Wendung seines Geschicks vollzog sich Wohl noch unter Domitiar aber auch unter Nerva und Trajan scheint sich für ihn keine Aussicht mehr ei öffnet zu haben, obgleich Trajan's Regierungsantritt von Tacitus wie der Ar bruch einer neuen glücklichen Zeit der Freiheit gepriesen wird. Juvenal zog siä enttäuscht und verbittert, in seine Heimathstadt Aquinum zurück. Ist es da ei Wunder, wenn sich zu dem Aerger über den halben Erfolg seiner militärische Laufbahn nun auch noch die tiefste, leidenschaftlichste Empörung gesellte über di Zustände in den höheren und höchsten Gesellschaftskreisen Roms, die hinter eine glänzenden Außenseite soviel innere Fäulniß verbargen?
Wir besitzen oder besaßen vielmehr, da sie wieder verloren gegangen ist eine werthvolle Urkunde, welche, richtig verstanden, über den weiteren Verlar von Juvenal's Leben hinreichenden Ausschluß gibt. Wohl wird er auch währen seines langjährigen Aufenthaltes in Rom hin und wieder die Heimath besucht un manche andere Gegenden Italiens damals oder früher schon kennen gelernt haben. Da geht aus zahlreichen Aeußerungen seiner Gedichte hervor. Nicht immer läßt sic sicher unterscheiden, wenn er von den Oertlichkeitcn um Rom spricht, von der kühlen Palestrina und dem hohen Tivoli, von dem waldigen Bolsena, von der volkreichen Hafen von Ostia, von den Küsten von Gaäta und Cumae und vrr den Rebenbergen Neapels, wie viel davon aus seine Belesenheit in den Werken der Dichter zurückzuführen ist, die, wie Vergil und Horaz, alle jene Gegenden mit dem Glanz und Zauber der Dichtung umkleidet haben, der ihnen noch heut anhaftet. Aber sicher ist, daß er oft über die Höhen im Liristhal die latinische Straß entlang von dem heimathlichen Aquino über die Nachbarorte Sora, Frusinc Fabrateria nach Rom gefahren ist und die Bettler gesehen hat, die sich auf de hohen Landstraße bei Aricia zu sammeln pflegten, wo die Wagen langsam berg aus fahren mußten, um ihnen, wenn sie dann den Berg hinunterrollten, Kuß Hände nachzuwersen. Auch das Räuberwesen in den pontinischen Sümpfen ai der appischen Straße und in dem Pinienwald am Volturnus kennt er aus Er