Heft 
(1891) 67
Seite
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Deutsche Rundschau.

des Französischen, Italienischen, Spanischen, in vollendetem Vortrag aus sich Wirken lassen konnte. In den klingenden Versen, in denen er z. B. zahlreiche Hauptwörter aneinander reiht, in der kernigen Kraft seiner Schilderungen, in der witzigen Gegenüberstellung, im leidenschaftlichen Ausruf, in der herben Ironie Wie in der ernsten Ermahnung ist er Meister. Nicht knappe Beschränkung ist seine Art; die Satire variirt ihr Thema in unerschöpflichen Wendungen und überrascht durch jähe Uebergänge und oft scheinbar unbegründeten Abschluß. Aber die scharfsinnigsten Versuche von Aenderungen, Ausscheidungen und Um­stellungen haben immer gezeigt, daß man dadurch das innerste Gewebe der Ge­danken zerstört. Es bloßzulegen gelingt nicht immer sogleich, da uns manches Mittelglied der Kenntniß abgeht. Aber schließlich leuchtet überall der Grund­gedanke des Dichters aus den vielverschlungenen Wendungen seiner Rede hervor. Den modernen Leser überrascht die weitgehende Uebereinstimmung mit unserer heutigen Kultur, die in seinen Gedichten hervortritt. So ist uns Juvenal auch ein wichtiger historischer Zeuge, neben dem vornehmeren Tacitus ein zuverlässiger Vertreter der tüchtigen bürgerlichen Kreise einer kraftvollen Zeit.